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Hallescher FC: Ersatzspieler haben kaum eine Chance

Uhr | Aktualisiert 11.01.2013 22:24 Uhr
Darko Horvath denkt an seine Zukunft. Der fast 40-jährige Torwart will nach sechs Jahren beim HFC ab Sommer in seiner Heimat als Übersetzer arbeiter. (ARCHIVFOTO: LÖFFLER) 
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Der Hallesche FC steht nach der Saison vor einem großen Umbruch. 16 Verträge laufen im Sommer aus und auch Torwart Darko Horvat wird seine Karriere beim HFC beenden.
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Halle (Saale)/MZ. 

Im Winter, so ist es Brauch im Fußball-Geschäft, basteln die Vereinsführungen an den Mannschaften für die Folge-Saison. Es wird verhandelt, auch gepokert.

Beim Halleschen FC ist das derzeit nicht anders. Und dennoch eine außergewöhnliche Herkulesaufgabe, die Manager Ralph Kühne bewältigen muss. Gleich bei 17 Spielern des aktuellen Kaders laufen Ende Juni die Verträge aus. Damit ist der Hallesche FC der Rekordhalter der Ost-Vereine. Und nicht einmal bei denjenigen, die Verträge beim HFC haben, ist es sicher, dass sie bleiben.

Toni Lindenhahn wird hartnäckig mit Zweitligist Paderborn in Verbindung gebracht. Angeblich steht für den Sommer ein Ablöseangebot von 300 000 Euro im Raum. "Da kann ich nichts zu sagen. Damit beschäftige ich mich noch nicht. Erstmal müssen wir die Klasse halten", sagt Manager Ralph Kühne. Und auch Dennis Mast, der Mann vom linken Flügel, ist durch seine guten Leistungen im Fokus anderer Vereine. Bundesligist TSG Hoffenheim hatte bereits ein Auge auf den 20-Jährigen geworfen.

Womöglich muss der Hallesche FC seine Juwelen sogar in die Auslage legen. Schließlich kosten die aktuellen Ausleihgeschäfte viel Geld. Und die Finanzlage ist nicht rosig. Rote Zahlen im sechsstelligen Bereich drohen. Einnahmen sind dringend vonnöten. Wenn also nicht die Sponsoren nachlegen oder neue hinzukommen, sind Verkäufe überlebenswichtig.

Zunächst versucht Manager Kühne allerdings erst einmal, den Poker mit Kapitän Maik Wagefeld zu beenden, der zu den ihm bislang angebotenen Konditionen auf keinen Fall verlängern will. Steven Ruprecht, Sören Eismann und vor allem Marco Hartmann sollen ebenso gehalten werden. Torwart Jürgen Rittenauer wird gebraucht, da Darko Horvat seine Karriere beenden wird.

Doch hinter diesem Quintett beginnt die Kategorie der Wackelkandidaten. "Wir haben durch die Zugänge in der Winterpause eine neue Situation. Jeder hat die Chance, sich in den verbleibenden 16 Spielen zu empfehlen", sagt Trainer Sven Köhler. Doch er betont: "Wer künftig kaum noch Einsatzzeiten hat, für den wird es schwer. Da ist der große Leistungssprung nicht mehr zu erwarten."

Das heißt. Die Bankangestellten der ersten Saisonhälfte und diejenigen, die nun durch die Neuen ihren Platz verlieren, haben ab Sommer kaum mehr eine Chance auf ein rot-weißes Trikot. Mit Andis Shala, der am Freitag wie erwartet bei Regionalligist Carl Zeiss Jena unterschrieben hat, und Telmo Teixeira-Rebelo wurden schon zwei Kicker aussortiert. Ein weiterer Kandidat ist Angelo Hauk. "Er kennt seine Situation und weiß, was im Sommer womöglich ansteht", sagt Kühne. Die Trennung.

Weitere Kandidaten, die ihre Berater auf die Suche schicken sollten, sind Außenverteidiger Jan Benes und der zuletzt als Stürmer eingesetzte Michael Preuß. Auch Anton Müller zählte nicht gerade zu den Leistungsträgern und muss bangen. "Ein Kommen und Gehen ist nicht unnormal", sagt Trainer Köhler. Nico Kanitz wird wohl maximal in die Zweite marschieren.

In den ganzen Überlegungen sind die Nachwuchs-Spieler, die bereits vor dem Sprung ins Drittliga-Teams standen, inzwischen außen vor - etwa Verteidiger Dennis Carl oder Maximilian Hecht, der schon im Pokal stürmen durfte. Sie dürfen am Wochenende nicht einmal bei den Mannschaftsabenden im Kloster Nimbschen dabei sein - nicht beim Essen, nicht beim Bowling. "Ich habe mit ihnen gesprochen und ihnen erklärt, dass wir uns im Abstiegskampf ganz auf das Stammpersonal konzentrieren. Ab und an mittrainieren sollen sie trotzdem. Ich will sie nicht aus den Augen verlieren. Im Sommer reden wir neu", sagt Sven Köhler.

Einen hätte der Trainer allerdings gern näher am Team behalten: Stephane Mvibudulu. "Doch er kann wegen seines Studiums nur maximal einmal pro Woche mit uns trainieren." Das 19-jährige Sturm-Talent könnte ab der kommenden Serie zum Kader stoßen. "Wenn er sich nach seiner Ausbildung auf Fußball konzentrieren kann", so Köhler.

Allen Planspielen zum Trotz: Auch das Aktuelle muss zurzeit geplant werden: das Testspiel gegen FK Varnsdorf. Das findet nun nicht in Riesa statt, sondern um 14 Uhr auf dem Nebenplatz am Erdgas Sportpark. Nach MZ-Informationen hätte der HFC in Riesa erhebliche polizeiliche Auflagen für das Testspiel erfüllen müssen.

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