Vorlesen

Eishockey: Saale Bulls starten in Oberliga-Saision

Uhr | Aktualisiert 04.10.2012 22:31 Uhr
Miklik (rechts) jubelt mit seinem Sturmpartner Alexander Zille. (FOTO: RÖHRIG) 
Von
Die Saale Bulls starten am Freitag in die Oberliga-Saison. Im Sturm spielen zwei Generationen nebeneinander: Martin Miklik und Robin Slanina.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ. 

Im oberen Stockwerk der Volksbank-Arena gibt es gleich neben der Gaststätte Penalty noch einen Raum für festliche Anlässe. Dort hängen in schicken Bilderrahmen fast lebensgroße Porträts der großen Stars der nordamerikanischen Profi-Liga NHL. Ein Foto vom tschechischen Jahrhundertspieler Jaromir Jagr ist dabei, zusammen mit seinem Sturmpartner Darius Kasparaitis aus ihrer gemeinsamen Zeit bei den Pittsburgh Penguins.

Eigentlich erst auf den zweiten Blick findet sich dann ein einziges Porträt mit einem Spieler, der keinen Starruhm in Nordamerika geerntet hat, der dafür aber eine Legende bei den Saale Bulls ist: Martin Miklik. Das Foto stammt aus dem Jahr 2005. Das war Mikliks erste Saison in Halle. Für den gebürtigen Slowaken war damals alles fremd: die Stadt und vor allem die Sprache.

Mikliks damalige Situation ist in vielem vergleichbar mit der von Robin Slanina in diesen Tagen. Der ist im tschechischen Opava geboren, hat zwar längst einen deutschen Pass, doch mit der Sprache steckt noch vieles in den Kinderschuhen. Das soll und wird sich ändern. Und deshalb nimmt sich Miklik der Rolle des Lehrers an. Ein Vater-Sohn-Verhältnis fast. 40 Jahre inzwischen der eine, erst 21 Jahre alt der andere. Beide sind Stürmer. Ihre Torjäger-Qualitäten haben sie schon in den Vorbereitungsspielen gezeigt. Beide auf durchaus überraschende Art.

Es war heute vor einer Woche. Da hüpfte Martin Miklik übers Eis wie ein kleines Kind, umarmte jeden, der ihm gerade über den Weg lief. Er hatte sich selbst beschenkt im Pokalspiel gegen Rostock mit seinem ersten Pflichtspieltor nach langer Leidensgeschichte. "Das war der Moment, in dem ich endgültig gemerkt habe, ich kann es noch", sagt Miklik. Selbstzweifel klingen da mit, Selbstzweifel, die Miklik nie zugeben würde. So verständlich sie auch wären.

Am 1. September 2011 hatte er sich gleich im ersten Training die Achillessehne gerissen, die ganze Saison dann zunehmend einsilbiger werdend auf der Zuschauertribüne erlebt. Nun also der schwierige Neuanfang, 18 Monate nach seinem letzten Pflichtspiel für die Saale Bulls. Das war genau am 18. März 2011 gegen Duisburg.

Klar, dass da bei Miklik mit zunächst noch ein paar Pfunden zu viel um die Hüften noch vieles schwerfällig wirkte. "Ich weiß doch selbst, dass ich noch eine Menge Trainingseinheiten und Spielpraxis brauche. Aber ich spüre, dass es mit jedem Spiel, mit jedem Tor besser wird", sagt Miklik. Mit dem zurückgekehrten Selbstvertrauen wurde auch die Angst verdrängt vor einer neuerlichen, schweren Verletzung, die wohl unweigerlich das Karriere-Ende bedeutet hätte. "Inzwischen gehe ich schon fast wieder wie früher in die Zweikämpfe", sagt Miklik.

Trainer und Präsidium der Saale Bulls waren bereit, Miklik alle Zeit der Welt für sein Comeback zu geben. Nun sind alle überrascht, dass sie schon zum Saisonstart am Freitag gegen Tornado Niesky wieder auf ihn bauen können. Und so soll es noch eine Weile weitergehen. Miklik: "Ich will noch so lange Eishockey spielen, wie es geht. Gedanken über ein Leben danach habe ich mir ohnehin noch nicht gemacht."

Robin Slanina steht da noch ganz am Anfang. Tore hat er schon gemacht, richtig freche dazu in der Partie gegen die Hannover Scorpions. Und dennoch: "Ich muss noch viel lernen", sagt er. Lange überlegt hat er dabei, um die richtigen Worte in der noch so fremden und schwierigen deutschen Sprache zu finden. Miklik wird ihm helfen, alte Eselsbrücken ausgraben aus der Zeit, als er selbst noch mühsam die Sprache gelernt hat. "Da gab es einen ganz einfachen Trick. Wir haben allen Einrichtungs-Gegenständen in der Wohnung Vornamen gegeben. Dem Fernseher, dem Geschirrspieler, dem Staubsauger. Alle fingen mit A an. Albert, August, Alfred", erinnert sich Mikliks Lebensgefährtin Katrin Päschke.

Miklik wird sich für Slanina etwas ähnlich Witziges einfallen lassen. Und er wird ihm auch noch eine Menge Tricks auf dem Eis beibringen. Damit dessen Träume wahr werden: "In die DEL will ich es schon schaffen", sagt Slanina.

Vom Sprung über den großen Teich spricht er nicht. Aber natürlich hat er die Porträts im Obergeschoss der Volksbank-Arena längst entdeckt. Jagr und die anderen aus der nordamerikanischen NHL.

Auch interessant