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Eishockey: Miklik und das Phantomtor

Uhr | Aktualisiert 10.12.2012 22:33 Uhr

Ein Drittel war Martin Miklik (22) gegen Timmendorf dabei. Für das Phantomtor danach konnte er nichts. (FOTO: RÖHRIG)

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Obwohl der Torjäger der Saale Bulls am Sonntag schon auf dem Weg in den urlaub war, wurde er als Torschütze durchgesagt. Offenbar hatte er einen guten Doppelgänger auf dem Eis.
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Halle (Saale)/MZ. 

Am Sonntag, kurz vor 21 Uhr, war Martin Miklik schon ein gutes Stück in Richtung seiner slowakischen Heimat unterwegs. Zum Glück hatte er auf dem Weg in den Kurzurlaub keine Internetverbindung und auch sonst keinen direkten Draht in die Volksbank-Arena. Er hätte vermutlich einen mittelschweren Lachanfall bekommen, zumindest aber gerätselt, wer da wohl als sein Doppelgänger in der Volksbank-Arena unterwegs ist. Denn Miklik wurde kurz vor 21 Uhr vom Hallensprecher Marc Beyer als Torschütze zum 15:4 (Endstand: 16:4) im Pokalspiel der Saale Bulls gegen Timmendorf durchgesagt. Miklik aber war nach dem ersten Drittel schon vorzeitig in den Urlaub geschickt worden.

"Ich wusste ja, dass ich da den größten Unfug ansage. Ich hatte Miklik ja selbst aus der Halle gehen sehen", sagt Marc Beyer. Aber er hatte keine Chance, er musste einfach das Phantomtor so ansagen. "Beim Eishockey ist es üblich, dass der Hauptschiedsrichter aus seinem Blickwinkel festlegt, wer das Tor geschossen hat. Entsprechend der Durchführungsbestimmungen muss ich das so durchsagen. Nur in besonders krassen Fällen rufe ich den Schiedsrichter zurück, um die Situation zu klären. Beim Stand von 15:4 habe ich darauf verzichtet, das Spiel war ohnehin schon wieder angepfiffen", erläutert Beyer. Und er hat sich bemüht, wider besseren Wissens, seine Ansage so normal wie irgend möglich klingen zu lassen.

Mit dem Wissen von Mikliks Fahrt in den Urlaub, mutet die Szene rückblickend grotesk an. Eine Seltenheit ist sie aber ganz und gar nicht. Beobachter schätzen, dass rund ein Fünftel aller Tore zunächst einmal mit dem falschen Torschützen angesagt werden. Das geht Woche für Woche so in allen deutschen Eishockey-Stadien. Beim Spiel der Saale Bulls gegen Timmendorf kamen tatsächlich drei Spieler ohne eigenes Zutun zu Torschützenehren. Die vermeintlichen Erfolge von Troy Bigam, Eric Wunderlich und Miklik wurden später den tatsächlichen Schützen Ervin Masek, Robin Sochan und Tim Katzer gutgeschrieben.

Für Korrekturen ist bei den Saale Bulls Co-Trainer Uwe Liebetrau zuständig. Der führt genau Buch über jeden Torschützen und jeden Vorlagengeber und gibt das nach Spielschluss zu Protokoll. Liebetrau hat dazu den entscheidenden Vorteil, dass er im Gegensatz zum Schiedsrichter seine eigenen Spieler halt kennt und im Zweifelsfall auch mit den Beteiligten noch einmal sprechen kann.

Der Hauptschiedsrichter - am Sonntag war es Rainer Berbig aus Kaarst - muss sich dagegen auf seine Wahrnehmung verlassen, gibt dem Kampfgericht die Rückennummer weiter, die er glaubt, erkannt zu haben. Und das kann eben auch mal die falsche sein.

Die von Liebetrau korrigierte Version gilt übrigens als offizielles Statistikmaterial. "Meistens verwechseln die Schiedsrichter die Rückennummern 8 und 9 und die 22 mit der 23. Ich habe es noch nicht erlebt, dass mal eine 60er mit einer 40er Nummer verwechselt wird", schildert Marc Beyer.

Das Rätsel um Martin Mikliks Doppelgänger löst sich mit diesem Erklärungsversuch tatsächlich auf. Miklik hat die Rückennummer 22, der eigentliche Torschütze, Tim Katzer, die 23. Für den war die spätere Korrektur übrigens ein besonderes Erfolgserlebnis: Es war sein allererstes Tor überhaupt im Trikot der Saale Bulls.

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