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Boxen: Weiße Hoffnung, große Show

Uhr | Aktualisiert 20.12.2012 22:03 Uhr

Immer auf den Sandsack: Roman Beljajew im Kreuzvorwerk. (FOTO: SCHULZ)

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Der Russe Roman Beljajew steigt am Freitag im Maritim-Hotel in den Ring. Er lebt in Halle und gilt als riesiges Talent. Um 19 Uhr beginnt die Box-Nacht.
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Halle (Saale)/MZ. 

Am Kreuzvorwerk, Halles traditioneller Boxheimat, schuftet tagtäglich ein auf den ersten Blick eher unauffälliger junger Mann mit Stoppelhaarfrisur. Pausenlos drischt er ein auf Sandsäcke, die einfach nur Ersatz sind für Trainingspartner, die er schon lange nicht findet. Von Roman Beljajew ist die Rede, gerade mal 22 Jahre alt, geboren in Kaliningrad.

Spontan fällt Beljajew dazu ein, dass Kaliningrad früher mal Königsberg hieß. Aber: Königsberg ist dann auch fast das einzige deutsche Wort, dass er beherrscht. In einem Vielsprachengemisch versucht er dann noch zu erklären, dass seine Wurzeln eigentlich in Tschetschenien liegen.

Zukunft in Amerika?

Beljajew hat seine Probleme mit der Verständigung, obwohl er seit zwei Jahren in Deutschland lebt und als Profiboxer arbeitet. Und mit seinen schlagenden Argumenten kann Beljajew wesentlich besser auf sich aufmerksam machen.

"Der kann wirklich etwas. Wenn es gelingt, ihn mal bei einem großen Boxabend zu präsentieren, dann kann er eine ganz große Karriere machen", sagt Trainer Jürgen Witte. Ähnliche Worte der Anerkennung findet Halles Schwergewichtler Steffen Kretschmann, der beeindruckt bei Witte und Beljajew zugeschaut hatte.

Beljajews Manager in Halle, René Müller, ist sogar überzeugt, dass der Weg des Russen bis "nach Amerika" führen könnte. Also, in das Box-Mekka schlechthin.

Das aber ist alles Zukunftsmusik, denn im Moment ist Beljajews Lebensmittelpunkt Halle. Als Juniorenweltmeister der Amateure ist er in Deutschland angekommen. Hier hat er bislang neun Profi-Kämpfe gemacht. Alle gewonnen. Acht durch K.o., zumeist schon in den ersten beiden Runden.

Die letzten sieben Kämpfe fanden allesamt bei kleineren Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt statt. Am Freitag nun, bei Halles Boxnacht im Maritim-Hotel, soll der nächste Karrieresprung folgen für Beljajew, der in sehr freier Übersetzung ausgehend von den russischen Wörtern Belo oder Beljaja (Weiß) als große weiße Hoffnung durchgehen könnte.

Ex-Weltmeister als Gegner

Am Freitag bekommt es der Weltergewichtler mit einem ganz erfahrenen Ringfuchs zu tun. Sein Gegner ist der 32 Jahre alte Franzose Frank Haroche Horta. Der war vor vier Jahren schon einmal Weltmeister des Box-Verbandes IBF, hat von 44 Kämpfen 30 gewonnen und stand insgesamt 264 Runden im Boxring. "Dieser Kampf ist der erste Test für höhere Aufgaben", sagt René Müller. Um 19 Uhr beginnt die Box-Nacht im Maritim.

Insgesamt 13 Kämpfe sind geplant. Unter anderem boxt die 36-jährige Özlem Sahin aus der Türkei, seit 2011 Weltmeisterin des Verbandes WIBF im Halbfliegengewicht. Mit dabei sind die Brüder Ronny und Lelito Lopez. Beide haben kubanische Wurzeln und sind "echte Jungs von der Straße aus Halle-Neustadt", so Müller. Nach einigen Amateurkämpfen für Halle geben sie ihr Profi-Debüt.

Ebenfalls im Ring stehen Halles frühere Bundesliga-Boxer Marko Angermann und Steve Krökel. Der Kampf mit Beljajew, die große Show mit der weißen Hoffnung, ist als 13. und letzter geplant und wird nicht vor 23 Uhr beginnen.

Halles Boxnacht gibt es am Freitag im Live-Stream auf: www.8m-boxen.de

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