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Basketball: Lions verlieren vor heimischem Publikum gegen Oberhausen

Uhr | Aktualisiert 27.01.2013 22:30 Uhr
Laura Hebecker sichert sich einen abprallenden Ball. Elf solcher Rebounds fing die Hallenserin im Spiel gegen Oberhausen ab - ein starker Wert. (FOTO: WEISE) 
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Die Basketballerinnen des SV Halle haben ihren siebten Sieg in der Bundesliga verpasst. Die Schützlinge von Patrick Bär zogen trotz Heimvorteils am Samstagabend gegen den Tabellen-Zehnten NB Oberhausen den Kürzeren.
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Halle (Saale)/MZ. 

Der Edelfan verließ die Halle schon zur Halbzeit. Und er tat es mit einem guten Gefühl. "Da brennt nichts mehr an", sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand angesichts des Halbzeitstandes von 34:24 für die Halle Lions gegen Oberhausen. Also machte er sich am späten Sonnabend - in Anzug und Krawatte gekleidet - in Richtung Opernhaus auf zur Premiere von "Der geduldige Socrates".

Repräsentationstermine wie diese gehören dazu zum Amt eines Oberbürgermeisters. Und so entging Wiegand, der jedes Spiel der Lions in der Burghalle verfolgt, eine 52:54-Niederlage von Halles Basketball-Damen, die durchaus das Zeug hatte, in die Vereinsgeschichte einzugehen - mit der vielleicht gruseligsten zweiten Halbzeit, die die Lions in den letzten Jahren aufs Parkett gelegt haben.

Es war ein Moment zum Gesichterstudieren, der sich da um kurz vor 20 Uhr am Sonnabend in der Burghalle eingestellt hatte. Gesichter, die die pure Ratlosigkeit zum Ausdruck brachten. Und da machte auch Trainer Patrick Bär keine Ausnahme. "Im dritten Viertel haben wir dieses Spiel verloren", analysierte er. "In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut verteidigt. Aber zu Beginn des dritten Viertels haben wir Oberhausen ein, zwei einfache Würfe gestattet." Damit sei das Spiel gekippt. "Dabei hatten wir bisher dahin alles im Griff."

Überraschende Abwehrformation

Bär hatte sich entschieden, sein Team konsequent in der Zone verteidigen zu lassen, statt die sonst im Basketball meist übliche Manndeckung zu nutzen. Das ging auf. Nach einem schnellen 0:7-Rückstand nach nur eineinhalb Minuten fanden die Lions ins Spiel und drehten den Rückstand bis zur Pause in eine Zehn-Punkte-Führung. Vor allem dank einer überragenden Laura Hebecker. Die so zierliche 19-Jährige war in Abwehr wie Angriff die auffälligste und präsenteste Erscheinung und brachte es bis zur Pause auf zehn Punkte und sechs Rebounds.

Was dann nach der Pause passierte, konnte sich auch Patrick Bär nicht erklären. Es wurde eine 20-minütige Basketball-Gruselshow, die schwächste Halbzeit des Bundesliga-Zweiten seit langem. "Wir haben das Spiel einfach weggeworfen", klagte der Trainer.

Wieder ging es mit einem Lauf der Gäste los. Doch dem 0:5 hatten die Lions anders als in der ersten Halbzeit nichts mehr entgegenzusetzen. Die Zonenverteidigung funktionierte überhaupt nicht mehr. "Wir hätten energischer, konzentrierter und konsequenter verteidigen müssen", meinte der Coach. Denn mit dem Einbruch in der Defensive sei auch in der Offensive nichts mehr gelaufen.

Die Fakten: Mickrige 18 Punkte brachten die Lions in der zweiten Hälfte zusammen, sechs im dritten Viertel und zwölf im Schlussabschnitt. Die Statistiken deprimierend: 18 Ballverluste im Spiel, allein fünf durch Julia Kohlmann und vier durch Tamara Tatham. Trefferquote bei Zweiern: 37,8 Prozent. Quote bei Dreiern: 19,2 Prozent. Zahlen, die umso ärgerlicher sind, da der Gegner eigentlich kaum besser war: 16 Ballverluste. Wurfquoten 46,7 und 25,9 Prozent. So liest sich Not gegen Elend in Zahlen.

Kennedy-Dreier weckt Hoffnung

Immerhin ließ beim Stand von 49:53 neun Sekunden vor Spielende ein spektakulärer Dreier von Spielmacherin Daphanie Kennedy noch einmal ganz kurz Hoffnung aufkeimen. Doch dieses Aufbäumen kam zu spät. Nach einem Freiwurfpunkt für die Gäste verfehlte ein weiterer Distanzwurf eine Sekunde vor Schluss das Ziel. Und so versuchte sich Patrick Bär nach Spielschluss in Erklärungen. Vor allem die Schlafphasen zu Beginn der Halbzeiten wurmten ihn. "Es ist natürlich schwierig, immer den Fokus zu halten, wenn du sechs Siege in Serie hast. Aber ich hatte schon den Eindruck, dass die Mädchen konzentriert waren."

Am Ende, so auch das Fazit des Cheftrainers, war es im Duell zweier schwacher Teams die fehlende individuelle Klasse, die den Ausschlag gegeben hatte. Also lobte Bär den einzigen Lichtblick: "Laura Hebecker", sagte er, "hat mir sehr gut gefallen. Hätten wir heute zwei Lauras gehabt, hätte es vielleicht anders aussehen können."

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