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Basketball: Kennedy sichert mit Dreiern wichtigen Sieg

Uhr | Aktualisiert 17.12.2012 12:58 Uhr

Ein Basketball fällt durch das Netz des Korbes. (FOTO: DPA)

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Die Basketballerinnen des SV Halle drehen gegen Rotenburg ein fast schon verlorenes Spiel, weil ihre Regisseurin in wenigen Minuten fünf Drei-Punkte-Würfe versenkt. Die Saalestädterinnen behielten am Samstag vor heimischer Kulisse gegen AVIDES Hurricanes aus Rotenburg mit 65:56 die Oberhand.
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Halle (Saale)/MZ. 

Die Lions-Spielerinnen machten sich warm. Martin Dornhoff hatte natürlich einen Blick darauf, was seine ehemaligen Schützlinge da so bei den Dribblings zum Korb fabrizierten. Und nebenbei probierte sich der Vizemeister-Trainer als Orakel. "Es wird ein härteres Spiel, als mancher denkt. Aber wir werden gewinnen. Rotenburg hat gute Spielerinnen, um Tamara Tatham und Daphanie Kennedy abzumelden", sagte der Coach der letztjährigen Saison vor dem Basketball-Bundesliga-Duell der SV Halle Lions gegen die Avides Hurricanes.

Der alte Fuchs sollte mit 3,5 seiner vier Prognosen Recht behalten. Ja, es war ein unerwartet hartes Duell gegen den Tabellenachten. Ja, die Lions gewannen am Ende 65:56, wobei schon der 25:34-Halbzeitstand Punkt eins bestätigt. Ja, Star Tatham war weitgehend abgemeldet. Und Ja, auch Kennedy kam kaum zum Zug. Hier allerdings die alles entscheidende Einschränkung: nur 25:04 Minuten.

Dann geschah das Kennedy-Weihnachtswunder im Löwenkäfig, über das die Regisseurin später mit einem breiten Grinsen sagen würde: "Mich hat plötzlich der Basketball-Gott geküsst."

Eingeläutet wurden ihre magischen Momente jedoch von Andrea Damm. Die Ein-Spiel-Ersatzfrau für USA-Heimkehrerin Kayli Murphy machte in einer Phase, in der die Lions nach lächerlichen sieben Punkten im zweiten Viertel einer peinlichen Pleite entgegentaumelten, zwei umjubelte Zähler zum 31:38. 24:48 Minuten waren gespielt, dritter Durchgang. Damm eroberte in der Defensive einen Rebound, und Kennedy ging auf die Reise: 33:38. Die 400 Zuschauer in der Burghalle hofften jetzt wieder. Ein Drei-Punkte-Treffer von Rotenburgs Samantha Meissel kühlte sie ab. Nur kurz. Denn dann wurden alle Zeugen einer schier unglaublichen, so in Halle noch nie gesehenen Serie. Kennedy versenkte innerhalb von nur 1:36 Minuten drei Dreier und legte unmittelbar vor dem Drittelende noch den vierten Distanztreffer in Serie nach. 45:43. Der quirligen Amerikanerin gelang einfach alles, und die Ränge staunten, jubelten, tobten, waren glücklich, fühlten sich durch ein außergewöhnliches Geschenk vorweihnachtlich beglückt.

Und Kennedy, auf einmal voller Vertrauen in ihr goldenes Händchen, ließ nicht locker. Sie verschoss einen Dreier, machte dann aber mit dem fünften perfekten Schuss zum 55:48 in der letzten Sekunde der Angriffzeit nach 34:34 Minuten die Vorentscheidung klar. In nicht einmal zehn Minuten waren ihr 21 Punkte gelungen.

Auf der Tribüne ging La Ola hin und her. Und obwohl Rotenburg noch einmal zum 55:54 aufschloss, brannte nichts mehr an. Auch, weil Kennedy im Anschluss an zwei Punkte von Laura Hebecker zum 59:54 traf - natürlich wieder auf den letzten Drücker.

Nach dem Abpfiff im Tollhaus und der Ehrenrunde der Lions war es dann Martin Dornhoff, der Kennedy mit einem "Super Daph" als Erster herzlich umarmte. Er hatte sie vor einem Jahr nach Halle geholt. Was immer noch als Glücksgriff gilt. "Sie hat das Spiel allein entschieden", sagte Dornhoff und revidierte gern seine Anfangs-Ahnung. Und sein Nachfolger Patrick Bär gestand: "Es war fantastisch, eine Explosion nach schwacher erster Halbzeit. Und dass eine Spielerin vier Dreier in Serie versenkt, das habe ich zwar schon erlebt, aber nicht von einer eigenen."

Kennedy schrieb derweil zahllose Autogramme und freute sich auf das abendliche Telefonat mit ihrer Familie, die die Glanztaten im Internet verfolgt hatte. Und dann natürlich auf den Weihnachtsurlaub.

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