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Modellsport: Wenn die Wellenlänge stimmt

Uhr | Aktualisiert 13.02.2011 21:33 Uhr
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Südschwimmhalle

Der Beckenrand in der Südschwimmhalle war dicht besetzt, mit den Modellboot-Nussschalen und ihren Kapitänen. (FOTO: HÜBNER)

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eger Schiffsverkehr präsentierte sich den über 100 Besuchern des 2. Indoor Cups, den der Modellsport-Club Elbe Dessau in der Südschwimmhalle ausrichtete.
DESSAU/MZ. 

Äußerst gut besucht war sie am vergangenen Sonnabend - die Südschwimmhalle. Dabei wollte kaum einer schwimmen oder planschen. Wirklich Platz dafür wäre in den beiden Becken ohnehin nicht gewesen. Denn genauso viele Männer, Frauen und Kinder, welche am Beckenrand standen und sich auf den unterschiedlichsten Fernbedienungen als wahre Joystick-Akrobaten auszeichneten - genauso viele Boote schipperten auf dem glasklaren Wasser umher.

Genauso viele? Nein! Denn die Besucher und Bastler erspähten bald Detlef Franke. Die Antenne seiner Funksteuerung war wohl die größte im Haus. Doch wo war sein Boot? Hochkonzentriert hantierte er mit seiner Steuerung umher. Sein Blick allerdings folgte scheinbar leeren Bahnen auf dem leicht unruhig daliegendem Wasser. Und plötzlich taucht sie auf: Die "S 170".

Das "S" steht freilich für Submarine. "Ich bastle eigentlich nur U-Boote", berichtete er, "jetzt bin ich 65. Jetzt habe ich Zeit dafür", schmunzelte der Dessauer. Seine "S 170" ist bereits das vierte Unterwasser taugliche Modellboot, das der Physiker fertig gestellt hat. Bis zu zehn Meter tief können diese tauchen. Sicher kommt sein Modell im Vergleich zu den aufwendig gestalteten Kreuzern, Fischerbooten äußerlich eher schlicht herüber.

"Die Technik ist es, die mich so an U-Booten fasziniert", sagte Franke und befand sich damit - auch ohne Fernbedienung - sofort auf gleicher Wellenlänge mit dem elfjährigen Oliver Schaffrath. "Kann es auch senkrecht untertauchen, wie ein echtes?", wollte er als erstes wissen. Kaum eine Herausforderung für den Bastler und gleich danach demonstrierte er dem wissbegierigen Nachwuchsbastler auch dynamische Tauchgänge, bei denen das Boot in einem entsprechenden Winkel an Tiefe gewinnt.

Seine spezielle Passion hatte am Sonnabend einen Vorteil. Der Schiffsverkehr unterhalb war im Vergleich zu dem Treiben auf der Wasseroberfläche überschaubar. Detlef Franke war der einzige, der sich nicht wirklich an irgendwelche Verkehrsregeln halten musste. Oliver Schaffrath, der sich in der Folge die Technik des "Tauchers" anschaute - allerdings schon. Vor ungefähr anderthalb Jahren hatte der Liborius-Gymnasiast sein hölzernes Boot gebaut. Ohne Vorbild, wie er versicherte. An sich verkörperte Oliver das Ideal der Zielgruppe der Veranstaltung, welche vom Modell-Sport Club Elbe-Dessau organisiert wurde. Vereinschef Michael Krebs ist hochzufrieden: "Es sind noch mehr gekommen als im vorigen Jahr."

Das A und O sei für die Mitglieder die Nachwuchsakquise. Deswegen war auch eine Bastelstraße eingerichtet. Anschließend testeten die "Neu-Architekten" ihre Segelboote in Regatta-Manier. Viele der interessierten Kinder hatten wie Oliver ihre ersten Bastelergebnisse mitgebracht. "Sonst fahre ich es immer in Sils", berichtete der Mildenseer. Dort, im Landkreis Waren-Müritz, haben seine Eltern einen kleinen Bungalow. Sein Vater und dessen Arbeitskollege hatten ihm mit Motor und Elektrik geholfen. "Die ganze Technik habe ich in einer Butterdose versteckt", demonstriert er sogleich, "damit sie trocken bleibt." Sein nächstes Boot soll ganz ähnlich werden. "Nur bedeutend kleiner", lacht er, "damit es schneller ist."

"Ich nutze bisher noch normale Fernbedienungen von einem Auto", sagte Oliver, "deswegen kann ich nur am Rand fahren." Doch die Wendemanöver sind eng und klein. "Das ist der typische Nachteil von U-Booten", erklärte Franke. Aufgrund des schlechten Längenverhältnisses benötigen diese viel Platz zum Wenden. Die "S 170" gehört zu zwei U-Booten derselben Baureihe, die nach dem Krieg von der Bundesmarine gehoben, hergerichtet und dann in Nato-Farben gefahren worden sind. "Es sind ursprünglich deutsche U-Boote vom Typ 23. Diese sind erst kurz vor Ende des Krieges gebaut worden", so Franke. Da die Technik zum damaligen Zeitpunkt noch recht modern war, waren sie für die Bundesmarine von Interesse. Und dann stellte er noch einmal heraus, warum seine "S 170" Vorteile gegenüber anderen Schiffsmodellen hat. "Bei Regen setze ich die immer auf Grund - dann wird sie wenigstens nicht nass."