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Handball: Ein Befreiungsschlag für Dessauer Handballer

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 20:57 Uhr

Mündens Dominic Leinhart versucht Robert Lux zu stoppen. Dessau-Roßlaus Torjäger bildete mit Lukas Krug und Martin Pratersch defensiv ein Bollwerk und steigerte sich offensiv. (FOTO: SEBASTIAN)

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Dessau-Roßlauer HV desklassiert die TG Münden mit 27:16. Lukas Krug gibt eine starke Vortsellung ab. 55 Minuten stand der Neuzugang bei seinem Debüt im Trikot des Dessau-Roßlauer HV auf dem Parkett - und hatte großen Anteil am unerwartet souveränen und hoch verdienten Sieg gegen den Tabellenfünften TG Münden.
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Dessau-Rosslau/MZ. 

Vor zwei Wochen gegen Rimpar stand auf dem Trikot noch die Nummer 18 und fehlte der Name. Sechzig Minuten saß Lukas Krug auf der Bank - und sah, wie sein Dessau-Roßlauer HV mit 20:27 gegen Spitzenreiter Rimpar verlor. Krugs Trikot trug am Sonntag die 15, war ordentlich beflockt - und gut zu sehen. 55 Minuten stand der Neuzugang bei seinem Debüt im Trikot des Dessau-Roßlauer HV auf dem Parkett - und hatte großen Anteil am unerwartet souveränen und hoch verdienten 27:16-Sieg gegen den Tabellenfünften TG Münden.

"Uns sind heute Grenzen aufgezeigt worden", räumte Mündens Spielertrainer Alexander Koke nach dem Abpfiff ein. "Wir haben kein Mittel gegen den sehr, sehr starken 6-0-Riegel gefunden." Diesen Riegel hatte Dessau-Roßlaus Trainer Georgi Swiridenko formiert. Mit Lukas Krug, Martin Pratersch und Robert Lux standen dort drei Zwei-Meter-Riesen, gegen die Münden nichts einfiel. Sechs Tore gelangen der Koke-Truppe in der ersten Halbzeit. 14 Treffer standen auf der Dessau-Roßlauer Seite. Es war eine Vorentscheidung.

Der Sieg gegen Münden war ein Befreiungsschlag, der Erleichterung greifbar machte. Auf zwei Punkte war zuletzt der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz geschrumpft. Der Druck vor diesem Heimspiel war riesig. Doch Swiridenkos Taktik ging auf. Der Trainer wollte aus einer massiven Abwehr heraus ins Spiel finden. Das gelang - und führte dazu, dass Dessau-Roßlau noch zehn durchwachsenen Anfangsminuten 40 Minuten fast perfekten Handball zeigte und mit jedem Erfolgserlebnis das Selbstvertrauen wuchs. "Wir haben das gezeigt, worauf alle gewartet haben", sagte Swiridenko. Er eingeschlossen.

"Es war ein tolles Gefühl, wieder spielen zu dürfen", sagte Krug, der im Sommer mit Sebastian Donath aus Brandenburg gekommen - und mit einem doppelten Knorpel- und Meniskusschaden an beiden Knien monatelang ausgefallen war. Zum Glück. "Ich hatte schon länger Schmerzen im Knie", sagte Krug. "Die Operation war wichtig, die Pause hat gut getan." Zum Auskurieren Zum Kraftschöpfen.

Vor drei Wochen stieg Krug ins Mannschaftstraining ein - und war am Sonntag einfach nur froh über seine Leistung. "Dass es so gut funktioniert, hätte ich nicht gedacht", sagte Krug, der offensiv noch Reserven sah. "Da hat noch etwas Dynamik gefehlt." Die aber kommt noch.

Dessau-Roßlaus Konzentration auf die Abwehr sorgte für einen äußerst torarmen Beginn. Nach 5:38 Minuten erzielte Münden das erste Tor des Tages, nach 8:11 Minuten brach Robert Lux den Dessau-Roßlauer Bann. Nach dem 3:2 durch Lukas Krug und einem gehaltenen Siebenmeter von Andreas Sprecher setzte sich Dessau-Roßlau langsam ab. Swiridenkos Umstellung fruchtete auch offensiv. Mit Tomas Pavlicek auf Rechtsaußen und Sebastian Donath waren zwei Spieler auf ihre etatmäßigen Positionen zurückgekehrt - und fühlten sich dort spürbar wohl. Mit Marco Hüls erhielt der Mann das Vertrauen als Spielmacher, der zuletzt oft auf der Bank saß. Es funktionierte. Nach dem 7:5 zog Dessau-Roßlau auf 11:5 weg. Und plötzlich gelang all das, was zuletzt schief ging. Da landeten eigentlich missglückte Pässe noch beim Mitspieler. Da klappten sehenswerte Kombinationen. Dessau-Roßlau überzeugte - und machte in der zweiten Halbzeit einfach weiter.

Bis auf 18:10 zog das Team davon, ließ sich dann etwas von der eigenen Euphorie anstecken und machte ein paar Flüchtigkeitsfehler. Als Robert Lux in der 49. Minute die dritte Zeitstrafe und damit die rote Karte sah, hätte das zuletzt das Kartenhaus DRHV zum Wanken gebracht. Nicht am Sonntag. Da hatte Falko Müller seinen großen Auftritt mit drei Toren und einem sehenswerten Pass auf Chris Alisch, der ähnlich stark aufspielte und innerhalb weniger Minuten vier Tore erzielte. Da zog Marco Hüls immer wieder rein in die Mündener Abwehr - und traf. Mit fünf Treffern avancierte der Magdeburger zum erfolgreichsten DRHV-Werfer. Und da kam am Ende mit Florian Hempel der dritte Torwart bei einem Siebenmeter - und parierte den. Natürlich.

Die 502 Zuschauer in der Anhalt-Arena hatten sich da längst von ihren Sitzen erhoben und feierten ihr Team. Lukas Krug genoss den Moment. "Für mich geht die Saison jetzt erst richtig los."

Dessau-Roßlauer HV:

Sprecher, Hoffmann, Hempel - Pavlicek 4 / 2, Müller 3, Uscins 1, Donath 3, Alisch 4, Lux 4, Pratersch, Krug 3, Schmidt, Hüls 5

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