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Basketball-Pro B: Sekunde des Glücks für Sandersdorf

Uhr | Aktualisiert 27.01.2013 19:40 Uhr
Zwei Dirigenten des Sandersdorfer Spiels: Aufbauspieler Matthias Haut (Mitte) und Trainer Tino Stumpf (r.) (FOTO: FOX) 
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Manchmal ist ein Basketballspiel ein Wechselbad der Gefühle, nichts für schwache Nerven und vor allem unberechenbar. Zeugen einer solchen Partie wurden die knapp 350 Zuschauer, die am Samstagabend den Weg in die Ballsporthalle Sandersdorf fanden. Dort unterstützten sie ihr Team im Heimspiel gegen die Hertener Löwen - die offensivstärkste Mannschaft der Pro B (Staffel Nord).
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Sandersdorf/MZ. 

Spannende zweite Halbzeit

Durch eine gute erste Hälfte behielten die Sixers dabei bis zum Pausenpfiff die Oberhand. Im eigenen Spielrhythmus führten die Weißen nach zwei gespielten Vierteln mit 44:36. Vor allem Kapitän Sascha Ahnsehl überzeugte mit zehn Punkten (2 / 2 Dreipunktwürfe) und brachte seine Teamkollegen in Führung.

Nach dem Seitenwechsel schien die Partie dann jedoch zu kippen. Die Sixers leisteten sich zahlreiche Ballverluste und stellten auf eine Zonenverteidigung um. Vier Hertener Dreier in Folge beförderten die Mannschaft jedoch ins Hintertreffen. "Das war unnötig", erkannte Trainer Tino Stumpf nach der Partie, "wir haben falsch verteidigt. Das müssen wir noch trainieren." Doch vor allem durch US-Aufbauspieler Jeremie Simmons, der sich schließlich im vierten Viertel ein Herz fasste und mehrfach traf, behielten seine Schützlinge den Anschluss. Simmons streute sieben Minuten vor dem Ende satte zehn Punkte am Stück ein. Knapp eine Minute vor Spielende dann die Schlüsselszene: Auf der Anzeigetafel stand ein 75:78 für Herten, die Sixers bekamen einen Ballbesitz zugesprochen. Tino Stumpf bejubelte den Ballgewinn, doch merkte Sekunden später, dass sein Kapitän Sascha Ahnsehl verletzt am Boden lag. "Ich habe eigentlich gedacht, dass er wieder aufsteht", sagte Stumpf, doch Ahnsehl konnte nicht weiterspielen. "Mein erster Gedanke war die Sorge um die Verletzung des Spielers", meinte Team-Manager Maik Leuschner, der von der Tribüne zum verletzten Mannschaftskapitän eilte. Wenige Sekunden später hatte Physiotherapeutin Juliane Weiland alle Hände voll zu tun, denn auch Jeremie humpelte vom Feld. "Ich schilderte Sascha, der am Spielfeldrand lag, dann das Geschehen hinter ihm", erinnert sich Leuschner an die letzten Züge des Spiels.

Und diese waren unfassbar aufregend: 24 Sekunden vor der Schlusssirene erzielte Tom Lipke die Anschlusspunkte zum 77:78. Nun musste Sandersdorf foulen, um die Zeit zu stoppen. Doch Aufbauspieler Matthias Haut fing einen Hertener Pass ab, um dann zusehen zu müssen, wie sein Teamkollege Frieder Diestelhorst den Ball wieder verlor. Doch Herten machte es nicht besser: Serdar Sadek vertändelte einen Angriff und 2,9 Sekunden vor Schluss bekommen die Sixers den letzten Einwurf nach Foul und anschließender Gäste-Auszeit. "Wir hatten drei Optionen", schildert Tino Stumpf seine taktische Ansprache innerhalb der Unterbrechung, "eine war, dass Tom zum Korb zieht und die Hilfe auf sich zieht."

Diestelhorst der Held des Abends

Sixers-Flügel Tom Lipke tat das. Und steckte den Ball dann - eine Sekunde vor Schluss - auf den unterm Brett lauernden Frieder Diestelhorst durch. 79:78 - Schlusssirene. Und die Ballsporthalle stand Kopf. Sandersdorf gewann glücklich gegen Herten und bewies das eigene Kämpferherz. "Wir haben uns das Spiel kämpferisch zurückgeholt", meinte ein glücklicher Tino Stumpf. Wie schwer die Verletzungen der beiden Werfer Ahnsehl und Simmons sind, wird sich am Montag in einer Untersuchung zeigen. Gezeigt hat sich schon eines: Die Sixers können wieder den kühlen Kopf bewahren. Und dieser ist bisher der Erfolgsgarant gewesen.

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