Vorlesen

Handball: Anhalt schlägt sich selbst

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 21:18 Uhr

Für den Bernburger Toni Pajung ging es nach einer harten Attacke mit einer Schulterverletzung nicht mehr weiter. (FOTO: LUKAS SCHULZE)

Von
Dieses Duell besitzt seinen besonderen Reiz. Über 600 Zuschauer kamen zum Landesderby zwischen der Reserve des SC Magdeburg und dem SV Anhalt Bernburg. Auf den Traversen tummelte sich sehr viel Prominenz. Der ehemalige Bernburger Spielertrainer Sven Liesegang saß neben seinem ehemaligen Magdeburger Teamkollegen Heiko Triepel, der auch das Anhalt-Dress trug.
Drucken per Mail
magdeburg/Bernburg/MZ. 

Dessaus Ex-Trainer Grzegorz Subocz machte ebenfalls einen

Abstecher in die Gieseler-Halle. Und auch Bernburgs Aufstiegsheld Lars Beyreis verfolgte mit großem Interesse dieses Derby, das die Magdeburger Youngster verdient mit 28:24 (14:11) zu ihren Gunsten entschieden.

"In so einem Spiel entscheiden Nuancen. Wir haben uns zu blöd angestellt, obwohl wir die erfahrenere Truppe sind. Das war ganz bitter", traf Bernburgs Rückraumspieler Kilian Kraft den Nagel auf den Kopf. Der SV Anhalt hat sich in dieser Partie selbst geschlagen, obwohl die Gäste personell arg gehandicapt in die Landeshauptstadt reisten. Der zum Zweitligist DHfK Leipzig zurückkehrende Tatsuya Ogano saß in Zivil auf der Tribüne. Enrico Lampe konnte wegen einer Knieprellung nicht auflaufen. Sven Petersohn war dienstlich verhindert. Mitte der zweiten Halbzeit musste auch noch Toni Pajung nach einer harten Attacke von Marius Kastening in der 45. Minute beim Stand von 17:18 aus Bernburger Sicht verletzungsbedingt ausscheiden. Auf der linken Schulter des Kreisläufers, der wegen der Personalnot auf Linksaußen aushalf, lag nach dem Abpfiff ein dicker Kühl-Akku.

Die Besetzungsprobleme konnten die Saalestädter in der Anfangsviertelstunde glänzend kompensieren. Mit 9:6 (17.) führte der SV Anhalt, der in dieser Phase immer wieder geschickt Kreisläufer Tobias Rindert einsetzte, der sechs seiner acht Versuche verwandelte. "In dieser Phase hätten wir auf fünf Tore davonziehen müssen. Damit hätten wir den SCM-Youngsters vielleicht den Zahn gezogen", meinte Trainer Christian Pöhler, der etwas unglücklich in den Torwurf von Martin Hoffmann beim 9:6 (19.) die Auszeit nahm. "Die grüne Karte lag schon lange vor Hoffmanns Aktion auf dem Kampfrichtertisch. Die Schiedsrichter haben das zu spät mitbekommen", so Pöhler.

Nach der Auszeit ging bei den Gästen gar nichts mehr. Mit teilweise haarsträubenden technischen Fehlern (insgesamt 15 Ballverluste) machten die Bernburger die stärkste Magdeburger Waffe scharf - das Konterspiel. Durch fünf Tempogegenstöße drehten die Hausherren mit einem 8:1-Lauf auf 14:10 (28.) die Partie.

Mit neuem Elan kamen die Schwarz-Gelben aus der Kabine und dominierten wie bereits in den ersten 30 Minuten auch die Anfangsphase der zweiten Halbzeit. Steffen Cieszynski stellte beim 14:14 (33.) den Ausgleich wieder her, in Führung konnte der SV Anhalt trotz mehrerer Möglichkeiten jedoch nicht mehr gehen. Zweimal standen zwischen der 44. und 48. Minute sechs Bernburger gegen vier Magdeburger auf dem Feld. Zweimal konnten die Saalestädter daraus überhaupt keinen Nutzen ziehen. Im Gegenteil, die Gastgeber zogen in dieser Phase von 18:17 auf 21:19 davon.

Frank Grohmann scheiterte mit einem Siebenmeter am aus Bernburg stammenden Schlussmann Philipp Ambrosius. Die Zuspiele von Kraft und Grohmann landeten nicht bei Kreisläufer Rindert, sondern blieben in der Magdeburger Abwehr hängen. Die Konter zappelten im Netz des Bernburger Kastens. Zu allem Überfluss betrat Ronny Liesche beim 19:18 (45.) für Magdeburg in seinem Erwärmungs-Trikot das Parkett, kassierte dafür eine Zeitstrafe und die Gastgeber kamen in Ballbesitz.

"Dieser Fehler von der Bank war der Knackpunkt. Aber der Bernburger Rückraum hat auch zu wenig Druck entwickelt", meinte Beyreis. Die Gäste bekamen in der Schlussviertelstunde kaum noch ein Bein auf das Parkett und konnten sich nur bei ihrem in den zweiten 30 Minuten glänzend aufgelegten Keeper Artur Gawlik bedanken, dass sie kurz vor dem dritten Advent nicht eine vorzeitige "schöne Bescherung" erleben durften. Der Anhalt-Hexer verhinderte mit seinen 18 Paraden, davon 14 in der zweiten Halbzeit, eine deftige Packung. "Wir haben aus der sehr guten Torwartleistung von Artur viel zu wenig Kapital geschlagen. Aber mit diesem Aufgebot war gegen einen starken Gegner nicht viel mehr möglich. Matthias Musche, Tim Hornke und Philipp Weber haben schon in der Junioren-Nationalmannschaft etliche Länderspiele absolviert. Weber hat Bundesligaformat und ist ein absolute Führungsfigur bei der SCM-Reserve. Bei uns hätte alles passen müssen", meinte der Bernburger Coach. Ende der ersten und Mitte der zweiten Halbzeit passte im Anhalt-Spiel aber fast gar nichts zusammen.

Magdeburg II: Hammerschmidt, Ambrosius (bei zwei Siebenmetern); Ackermann (2), Musche (7), Kupfer (3), Hornke (6), Janke, Kastening, Bormann, Hartfiel (9), Weber (1) Anhalt: Gawlik, Gudonis (24.-30.); Hoffmann (3), Cieszynski (10 / 4), Kraft (2), Liesche, Grohmann (3 / 1), Wartmann, Steinbrink, Rindert (6), Pajung Schiedsrichter: Schwarz / Weiß (Hannover) - Zuschauer: 650 - Strafminuten: 18:12 - Siebenmeter: 0:7 / 5 - Beste Spieler: Hartfiel, Musche, Hornke - Gawlik, Cieszynski, Rindert

Auch interessant