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Klassisches Gerätturnen als Fall für die Mottenkiste

Uhr | Aktualisiert 06.02.2012 18:31 Uhr
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Tom Rademacher überwindet die Steilwand.  ...

Tom Rademacher überwindet die Steilwand. (FOTO: MARION POCKLITZ)

Max Winkler und Max Berger, zwei Sechstklässler, hängen in einer Art "Takelage" fest und versuchen, in einer gewissen Höhe durch die fest und lose miteinander verbundenen Kletterseile hindurchzuklettern. Tom Rademacher aus der Zehnten läuft eine Turnbank zum Stufenbarren hoch, um sich vom obersten Holm des Stufenbarrens wieder über die große Matte hinunterzuschwingen. Andere kriechen durch Tunnel, die mit Turnmatten gebaut sind, durch Kästen, die zum Fuchsbau umgestaltet sind. Aus vielen weiteren Elementen setzt sich die "Bewegungslandschaft" zusammen.
aschersleben/MZ/mp. 

Max Winkler und Max Berger, zwei Sechstklässler, hängen in einer Art "Takelage" fest und versuchen, in einer gewissen Höhe durch die fest und lose miteinander verbundenen Kletterseile hindurchzuklettern. Tom Rademacher aus der Zehnten läuft eine Turnbank zum Stufenbarren hoch, um sich vom obersten Holm des Stufenbarrens wieder über die große Matte hinunterzuschwingen. Andere kriechen durch Tunnel, die mit Turnmatten gebaut sind, durch Kästen, die zum Fuchsbau umgestaltet sind. Aus vielen weiteren Elementen setzt sich die "Bewegungslandschaft" zusammen.

Kurz zuvor hat die sechste Klasse der Ganztagsschule "Albert Schweitzer" von Claus Lange ihre dritte Sportstunde in der Bewegungslandschaft regulär absolviert. Sie hat gezeigt, worauf es ankommt: die sechs Bahnen möglichst schnell, aber auch sicher zu absolvieren und dabei noch Spaß zu haben.

Im Rahmen der "Gut-drauf-Woche", das ist Projektunterricht, in dem sich alles um Sport, Gesunderhaltung und Ernährung dreht, ist für eine Woche die Sporthalle deshalb für den Vereinssport gesperrt.

Am Wochenende davor hat Claus Lange, der auch als Klettertrainer in einer Freizeiteinrichtung mit Kindern tätig ist, die Bewegungslandschaft mit seinen beiden Sportlehrerkollegen Grit Röhl und Stephan May zusammengestellt.

"Die Bewegungserfahrungen, die früher jedes Kind in der freien Natur gesammelt hat, bieten wir hier in komprimierter Form an", erklärt Lange. "Das ist schon eine Herausforderung. Ich bin schon ein bisschen außer Puste", erklärt Annalena Gebhardt (12).

Mit der Weiterentwicklung des Lehrplans seien die Stoffgebiete in Bewegungsfelder umstrukturiert und weitergefächert worden. So auch das Turnen. "Das klassische Gerätturnen - Barren, Balken und so weiter - ist erweitert und aufgelockert worden", berichtete Lange, der selbst Fachmoderator für Sport an Sekundarschulen ist und Sportlehrer weiterbildet.

Das Hindernisturnen habe es früher auch gegeben, meist aber nur zur Erwärmung und in einem wesentlich geringerem Umfang. Da es freudebetont ist, beginnt das "Bewegungsfeld turnerisches Bewegen", wie es nun offiziell heißt, damit. Dennoch würden auch weiterhin Übungen des klassischen Gerätturnens einstudiert und benotet, aber jeder Schüler darf sich seine zwei "Lieblingsgeräte" heraus suchen. Als drittes Element nennt Lange das Minitrampolinspringen, das Körperbeherrschung verlange, aber den Schülern deutlich mehr Spaß bereite als Bockspringen. "Daraus setzen sich an unserer Schule die heutigen Noten für Turnen zusammen", so der Sportlehrer. Außerdem bietet sich die Akrobatik an, bei denen die Schüler Menschenpyramiden bauen, und als fünftes Element Synchronturnen, bei dem zwei Schüler möglichst übereinstimmend mit musikalischer Unterlegung Übungen an Barren oder am Boden ausführen. Somit steht das klassische Gerätturnen, mit dem so viele ihre Probleme hatten, gar nicht mehr im Vordergrund.