Hallescher FC
«Wir brauchen mehr Tore»

Fast zwei Monate lang gab es nur Training und Testspiele. Kommt man da nicht aus dem Rhythmus? Macht eine Winterpause überhaupt Sinn?
Köhler: Die ideale Spielzeit wäre von März bis November. Da herrschen die besten Bedingungen. Doch darüber zu diskutieren, bringt ja nichts. Bis Weihnachten zu spielen und im März wieder anzufangen, hätte auch etwas. Durchzuspielen wie in England, halte ich für unangebracht. Wie dem auch sei: Wir haben die Pause glaube ich optimal genutzt.
Zum Beispiel mit Testspielen und beachtlichen Resultaten gegen höherklassige Teams. Hat der HFC das Zeug zur dritten Liga?
Köhler: Wir haben gegen die Drittligisten Jena und Erfurt jeweils 1:0 gewonnen und richtig gut mitgehalten. Das zeigt, dass wir das Potenzial haben. Dennoch: RB Leipzig und Kiel haben im Aufstiegskampf einen leichten Vorteil. Sie liegen nach Punkten vor uns. Der kleine Rückstand ist aufholbar. Ich fände es jedenfalls sensationell, wenn wir am letzten Spieltag im Erdgas-Sportpark ein echtes Aufstiegs-Endspiel gegen Leipzig hätten.
Was wird den Ausschlag geben für den Aufstieg?
Köhler: Konstanz und auch Glück. Es geht darum, gegen Mannschaften wie eben den Berliner AK keine Punkte liegenzulassen. Und dann muss eben auch mal der Ball hinter der Linie landen - wie beim Tor, das wir beim 0:0 in Kiel regulär geschossen haben, das aber trotzdem nicht anerkannt wurde, weil es der Schiedsrichter nicht gesehen hat. Außerdem darf sich bei unserem kleinen Kader niemand ernsthaft verletzen und auch zu viele Sperren wären hinderlich.
Die Abwehr stand bombensicher. Doch das Team hat nur 23 Tore geschossen - wie der Drittletzte aus Lübeck. Liegen im Angriff die größten Reserven der Mannschaft?
Köhler: Ja. In der Offensive müssen wir uns steigern. Wir brauchen mehr Tore. Andis Shala ist als Mittelstürmer fleißig, war aber nicht so treffsicher, wie wir das erhofft hatten. Dennis Wegner, der eine starke Hinrunde gespielt hat, darf ebenso ein paar Tore mehr schießen. Dennis Mast muss seine Unbekümmertheit zurückgewinnen. Und Michael Preuß, der zu Anfang prima war, hat gespürt, das Profi-Fußball eine Anpassungszeit braucht. Telmo Teixeira war der Gewinner der letzten Spiele des Vorjahres. Doch auch Toni Lindenhahn muss torgefährlicher werden. Aber wenn jeder aus diesem Kreis auch nur einen Treffer in der Rückrunde schießt, wird es nicht reichen. Da müssen alle zulegen. Und einen Top-Stürmer, der in einer Saison mal 20 Tore schießt, hatte der Hallesche FC ja in meiner Zeit noch nie.
Die Hoffnungen ruhen nun auf Rückkehrer Angelo Hauk. Ist er die gewünschte Verstärkung?
Köhler: Er wird sicherlich nicht der Heilsbringer sein. Für einen auf dem Papier besseren Stürmer reichen die finanziellen Mittel nicht. Aber durch ihn sind wir vorn in der Breite besser aufgestellt. Ich setzte darauf, dass er uns mit seiner Schnelligkeit weiterhilft - und auch trifft. So, wie in der Rückrunde der Vorsaison, als bei ihm der Knoten geplatzt ist und er sieben Mal erfolgreich war.
Bietet sich mit Hauk vielleicht auch die Gelegenheit, vom angestammten 4-2-3-1-System auf 4-4-2 umzustellen?
Köhler: Wir haben das 4-4-2 in den Tests probiert, aber die Spieler haben die Variante mit einem Stürmer nun einmal verinnerlicht. Da sind die Laufwege einstudiert. Das funktioniert. Und es ist doch ein Irrglaube, dass ein System mit zwei Stürmern offensiver ist. Vielfach stößt doch sowieso ein zweiter Mann, sei es Teixeira oder Mast, Wegner oder Preuß, mit in die vorderste Linie. Es gibt sogar statistische Beweise, dass zum Beispiel Einwechslungen von Stürmern nur selten auch zu Toren führen. Ich bin mir sicher: Unser jetziges System passt am besten. Mal mitten in einem Spiel umzustellen, ist aber durchaus drin.
Die Stammplätze scheinen unverrückbar vergeben. Oder?
Köhler: Das sehe ich nicht so. In der Abwehr zum Beispiel gibt es um die Außenverteidiger-Positionen einen Dreikampf. Jan Benes musste Nico Kanitz, der verletzt war, vier Mal vertreten. Da haben wir drei Mal gewonnen - unter anderem in Leipzig - und in Kiel remis gespielt. Benes schoss zwei Tore. Jetzt ersetzt er den gesperrten Sören Eismann. Jan hat Qualität bewiesen und muss nicht zwangsläufig die Nummer drei sein.
Maik Wagefeld ist der Chef im Team. Ist er der beste Einkauf des HFC in Ihrer Amtszeit?
Köhler: Wagefeld ist unbestritten eminent wichtig und hat mit seinen Leistungen alle Skeptiker widerlegt, die dachten, er will seine Karriere nur ausklingen lassen. Aber der Beste? Das ist relativ. Darko Horvat zum Beispiel ist ein Torwart von Zweitliga-Format. Er hat in der Hinrunde zwei wichtige Elfmeter - zum Beispiel einen beim 1:0-Hinspielsieg gegen Kiel - gehalten. Auch er war ja ein Einkauf - allerdings schon 2007.
Wie viel Euro würden Sie auf einen Aufstieg des HFC wetten?
Köhler (lacht): Seit den Ereignissen um den Wettpaten Ante Sapina und manipulierte Spiele im deutschen Fußball wette ich nicht mehr.

























