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Gläubigerverzicht

Einigung über griechischen Schuldenschnitt möglich?

VON ROMAN KESSLER, 02.02.12, 14:41h, aktualisiert 02.02.12, 18:38h
Griechenland/Euro
Athen hatte die Einsetzung eines europäischen Sparkommissars zur Überwachung des Haushaltes strikt abgelehnt. (FOTO: DPA)
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FRANKFURT/MAIN/DAPD. Die Einigung im Streit über Griechenlands Schuldenerlass steht offenbar kurz bevor: Nach Angaben von Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann sind die Gläubiger bereit, einen Schuldenschnitt von mehr als 70 Prozent zu akzeptieren. Wörtlich sprach er bei der Aufzeichnung eines TV-Interviews am Donnerstag in englischer Sprache von «70 Prozent plus X».

Die Zahl ergebe sich aus dem eigentlichen Schuldenschnitt auf bestehende Staatsanleihen und sehr niedrigen Zinsen für die Anschlussfinanzierung des Landes. Ackermann, der auch der Vorsitzende der internationalen Bankenvereinigung IIF ist, sagte, der Ball liege jetzt im Spielfeld der griechischen Regierung unter Lucas Papademos.

«Ich denke, das ist ein teures Angebot von den Investoren, aber es ist weniger teuer, als eine Pleite wäre», sagte Ackermann im Anschluss an die Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank. Die Ansteckungsgefahr, die von Griechenland auf andere Länder ausgehe, müsse gebannt werden.

Einen Ausfall oder einen Austritt Athens aus der Währungsunion wolle er «eigentlich lieber nicht ausprobieren», sagte Ackermann bei der Vorstellung der Geschäftszahlen seiner Bank für 2011. Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine Abmachung gelingen könne. «Es wird ein großer Beitrag» zu einer Erholung Griechenlands.

Ackermann womöglich am Wochenende zu Gesprächen in Athen

Ackermann sagte, er selbst wolle möglicherweise am Wochenende nach Athen fliegen. Eigentlich war geplant, dass er am Samstag an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnimmt. Die Verhandlungsführer des IIF, Charles Dallara and Jean Lemierre, sprachen bislang von einer Einigung in der kommenden Woche. Allerdings war diese schon mehrfach angekündigt worden und sollte eigentlich bereits Anfang Januar stehen.

Der für die Risikovorsorge der Deutschen Bank zuständige Vorstand Hugo Bänziger sagte, es gebe kaum eine andere Möglichkeit, als sich jetzt zu einigen. In den vergangenen eineinhalb Jahren sei zu viel politisches Kapital in Europa zerschlagen worden. Er rechnete vor, dass die Schulden der Euro-Staaten sich insgesamt auf rund elf Billionen Euro beliefen. Davon liege grob die Hälfte bei Investoren, die von außerhalb des Euroraums investiert hätten. Wenn diese Käufer streikten oder fernblieben, weil sie dem Euro nicht mehr vertrauten, genüge das, um das System langfristig zu stören, sagte Bänziger.

Mit dem Verzicht auf ausstehende Schulden sollten Griechenland insgesamt 100 Milliarden Euro erlassen werden, damit das Land wieder auf die Beine kommen kann. Inzwischen wird die Europäische Zentralbank (EZB) als größte Gläubigerin Griechenlands gehandelt. Sie legt zwar keine Zahlen zu ihrem Engagement in griechischen Staatsanleihen vor, Schätzungen von Beobachtern zufolge beläuft es sich jedoch auf bis zu 55 Milliarden Euro. Bislang ist die EZB nicht bereit, auf Forderungen zu verzichten.

Währungshüter schließen dies hinter vorgehaltener Hand nicht mehr rundweg aus. Zuerst müsse jedoch der Verzicht der privaten Banken abgeschlossen werden, hieß es. Bezahlen müssten einen Verzicht der EZB letztlich die europäischen Steuerzahler.


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