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Novartis

Arznei-Engpässe durch Lieferboykott?

VON DANIEL BAUMANN, 24.11.11, 19:45h, aktualisiert 24.11.11, 19:53h
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Novartis hat die Lieferungen an Phoenix, Sanacorp und Gehe eingestellt. (FOTO: AP)
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BERLIN/MZ. In vielen Apotheken könnten in kürzester Zeit wichtige Medikamente des Arzneimittel-Herstellers Novartis fehlen. Der Konzern hat mittlerweile die Lieferungen an drei wichtige Pharmagroßhändler eingestellt. Phoenix, Sanacorp und Gehe werden nicht mehr beliefert. Mit dem Boykott will Novartis bessere Vertragsbedingungen durchsetzen. Phoenix, Sanacorp und Gehe kommen zusammen auf 60 Prozent Marktanteil. Deutlich mehr als die Hälfte der 21 400 Apotheken in Deutschland bezieht von ihnen Medikamente. Sie werden üblicherweise bis zu dreimal am Tag beliefert.

"Die Versorgung der Apotheken mit Produkten von Novartis ist gefährdet", teilte am Donnerstag der wichtigste deutsche Großhändler Phoenix mit. "Wie lange die vorhandenen Bestände den Bedarf noch decken können, ist unsicher und abhängig von den Artikeln und dem aktuellen Abruf." In der Regel halten die Zwischenhändler Medikamente für zwei bis vier Wochen vor. Mindestens ein Großhändler kann bestimmte Novartis-Produkte nach Informationen der MZ inzwischen nicht mehr liefern. Mit einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro im Jahr 2010 und einem Marktanteil von 11,2 Prozent ist Novartis der umsatzstärkste Pharmakonzern im deutschen Gesundheitsmarkt. Präparate wie das Krebsmittel Glivec und Lucentis gegen Augenerkrankungen sind weit verbreitet. Problematisch könnten Engpässe beim Krebsmittel Tasigna und bei Certican, einem Mittel gegen die Abstoßung von Transplantaten werden. Hierzu gibt es kaum Alternativen. Gisela Schott von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft betont jedoch, dass kaum ein Mittel unverzichtbar sei. "Es gibt für fast alle Situationen noch andere Therapieoptionen", sagt sie.

Novartis will den Pharmagroßhändlern den Schnellzahlerrabatt kürzen. Dieser Schritt wurde bereits im Sommer auf einer Händlerkonferenz angekündigt. Der Pharmagroßhandel kann Kürzungen jedoch kaum noch wegstecken. Der Branche blieben laut Institut für Handelsforschung im vergangenen Jahr von 25 Milliarden Euro Umsatz nur 0,36 Prozent Gewinn. Die Unternehmen wehren sich deshalb vehement gegen Kürzungen beim wichtigen Schnellzahlerrabatt, die sie Millionen kosten würden - zumal sie befürchten, dass andere Hersteller Novartis folgen könnten.

Nun werden auch die Apotheker nervös. Fast 2 000 haben Novartis böse Briefe geschrieben. Die Apothekervereinigung ABDA appellierte an beide Seiten, sich zu einigen. Bestellungen von Apotheken direkt bei Novartis hat das Unternehmen abgelehnt.

Beim Baseler Pharmariesen hieß es, die Pakete mit dem Pharmagroßhandel würden neu geschnürt. "Die bisherigen Regelungen waren nicht mehr zeit- und marktgemäß", erklärte Novartis-Sprecher Eric Althoff. Verschiedene Unternehmen bestellten bereits zu den neuen Liefer- und Zahlungsbedingungen. "Wir sind sicher, dass wir auch mit denjenigen Großhändlern, mit denen wir derzeit noch im Gespräch sind, ein für beide Seiten akzeptables Paket schnüren können", sagte Althoff.


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