Unternehmen
Puma untersucht Umweltschäden
erstellt 16.11.11, 20:25h, aktualisiert 16.11.11, 20:30h
MÜNCHEN/MZ/TMH. Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen geraten leicht in den Verdacht, dass sie nur dazu dienen, sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen. Was der Herzogenauracher Sportartikler Puma nun mit der weltweit ersten ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung präsentiert, geht qualitativ weit über solche Berichte hinaus. Die Kernbotschaft klingt durchaus negativ. In ihrer Wertschöpfungskette inklusive Zulieferern verursachen die Franken global Umweltschäden, die sich auf 145 Millionen Euro beziffern. Diese Nachricht sei eigentlich sei ein PR-Desaster, findet der frühere Puma-Chef und jetzige Vorstand des französischen Mutterkonzerns PPR, Jochen Zeitz. Aber der Manager versteht sich als Querdenker und Puma als Pionier. Wenn von Unternehmen in der alltäglichen Produktion verursachte Umweltschäden in Euro und Cent ausgedrückt werden können, mache das den schwammigen Begriff Nachhaltigkeit messbar und das setze ökonomische Mechanismen in Gang. "Es ist Zeit die Geschäftsmodelle zu ändern", sagt Zeitz und will im eigenen Haus anfangen.
Bis 2015 will Puma die Hälfte seiner Kollektionen aus nachhaltigen Materialien herstellen. Dann soll auch die ganze PPR-Gruppe mit Edelmarken wie Gucci, Yves Saint Laurent oder Stella McCartney als erster Großkonzern eine Öko-Bilanz nach Puma-Vorbild vorlegen. Investoren verlangen zunehmend nach einer solchen Bewertungsgrundlage, um ihre Gelder grün anzulegen, sagt Alan McGill. Er ist Wirtschaftsprüfer bei Pwc und dort Experte für Klimawandel und Nachhaltigkeit. Bei Verbrauchern spiele grüner Konsum eine immer wichtigere Rolle. Auch Regierungen würden nach Maßstäben suchen, um ökologisches Handeln von Unternehmen in deren Besteuerung einzubauen. Bei der finanziellen Rechnungslegung gebe es internationale Standards wie IFRS, die Unternehmensbilanzen vergleichbar machen. So etwas müsse es künftig auch für Ökobilanzen geben.
Seit Mai propagiert Puma die Ökobilanz. Öffentlich als Nachahmer bekannt hat sich noch kein anderes Unternehmen. Zeitz glaubt, dass viele erst einmal im Stillen ihre Ökobilanz ziehen und dann entscheiden, ob sie sich damit an die Öffentlichkeit wagen.
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