mz-web.de
Köthen
mz-web.de > Lokales > Köthen
Anhalt-Bitterfeld

Die «Oma» im Spargelfeld

VON UTE NICKLISCH, 06.05.11, 21:09h, aktualisiert 06.05.11, 21:25h
Im Einsatz
Im Einsatz: Cailinc Iftimia liebt es, das Edelgemüse zu ernten. (FOTO: MZ)
Bild als E-Card versenden Bild als E-Card versenden
WULFEN/MZ. Das Kopftuch fest um das Kinn gebunden, sticht sie mit zufriedener Miene Stück für Stück das Edelgemüse aus den warmen Erdwällen. Sie liebe das Spargelstechen, sagt Cailinc Iftimia. "Oma" wird die rumäninische Erntehelferin liebevoll von ihren Mitstreitern auf dem Spargelfeld genannt. Insgesamt sind 60 als Erntehelfer der Agrargesellschaft Wulfen hier. "Sie ist die Älteste unter uns" erklärt Dolmetscher Gabriel Morosan.

55 Jahre ist Cailinc Iftimia und schon seit neun Jahren ist sie regelmäßig zur Spargelsaison auf den Feldern bei Diebzig im Einsatz. "Es macht mir Spaß", übersetzt der Dolmetscher. Obwohl das ständige Stehen in gebeugter Haltung schon ziemlich anstrengend ist, will "Oma" so lange wie möglich zur Spargelernte nach Wulfen kommen. Sie sei das gewöhnt. Dabei erzählt Gabriel Morosan, dass sie wie eine "Junge" arbeitet. "Sie leistet oft mehr als eine 25-Jährige."

Gefragte Beschäftigung

Mit dem Lohn für ihre zweimonatige Tätigkeit in Deutschland erarbeiten sich die rumänischen Erntehelfer einen Großteil ihres Lebensunterhaltes für das gesamte Jahr. Im Gegensatz zu ihrem Verdienst in der Heimat liegt dieser hier um ein Vielfaches höher. Deshalb ist diese Arbeitsmöglichkeit unter den Rumänen sehr gefragt. So wie Cailinc arbeiten auch ihre drei erwachsene Kinder im Ausland - in Portugal. Während die "Oma" alljährlich allein nach Wulfen reist, kümmert sich ihr Mann um Haus und Hof. Ihn kann sie für die Spargelernte nicht begeistern.

Andere Rumänen rücken gleich mit der ganzen Familie an. So wie die Ureches. Vater Ureche ist mit seinen beiden erwachsenen Söhnen, seinen vier Brüdern und seiner Schwägerin auf den Diebziger Spargelfeldern im Einsatz. Zudem ist Mutter Ureche in der Sortierhalle in Wulfen beschäftigt.

Obwohl die Leute hier bei Diebzig den ganzen Tag über, zum Teil in der prallen Sonne auf dem Acker arbeiten, lassen sie sich ihren südländischen Frohsinn nicht nehmen. Da wird gescherzt und gelacht, und in den Gesichtern ist Zufriedenheit abzulesen.

In diesem Jahr können sich die Leute rund um Erntebetreuer Martin Trampe über Spargel in Hülle und Fülle freuen. Das Wetter liefert optimale Wuchsbedingungen. Und auch der Betriebsleiter der Wulfener Agrargesellschaft, Helge Klamke, kann nach der verregneten Spargelsaison im vergangenen Jahr endlich wieder aufatmen. "Spargel gibt's im Überfluss", erklärt er. "Auch die Qualität ist hervorragend." Zudem sei die Spargelernte in diesem Jahr viel früher als sonst angelaufen. Seit dem 7. April wird in Wulfen bereits das beliebte Edelgemüse gestochen.

Auf insgesamt 60 Hektar Ackerfläche bauen die Wulfener Spargelbauern neben dem traditionellen Bleichspargel auch den weniger bekannten Grünspargel an. Dieser gedeiht im Gegensatz zum Bleichspargel ohne Erdwall im Sonnenlicht und bekommt dadurch seine schöne grüne Farbe. Der Bleichspargel hingegen muss vor Sonnenlicht geschützt werden, da er sich anderenfalls violett färbt und somit ungenießbar wird.

Aromatisch und unkompliziert

Der Grüne sei außerdem in der Zubereitung völlig unkompliziert, weiß der Betriebsleiter. Denn außer ein paar kleinen Handgriffen am unteren Ende müssten die grünen Stangen nicht geschält werden. Vom Geschmack her beschreibt ihn Helge Klamke als noch aromatischer. Er selbst schwört auf das grüne Gemüse und verrät seinen ganz persönlichen Zubereitungstipp: Im Hause Klamke wird der grüne Spargel in Butter geschmort und mit grünem Pfeffer gewürzt. Dazu werden frische Cocktailtomaten und Bandnudeln serviert.

Wer mehr über das beliebte Edelgemüse erfahren möchte, kann sich beim Spargelfest am 4. Juni auf dem Gelände der Agrargesellschaft in Wulfen ausführlich informieren. Um 8 Uhr geht's los.



Mehr lesen Sie täglich in Ihrer Mitteldeutschen Zeitung oder werden Sie E-Paper-Abonnent. JETZT BESTELLEN!
Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

    
    






Anzeige
800 Jahre Anhalt
Anzeige
Winter in Sachsen-Anhalt Schlechtwetter-Tipps für Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt-Wiki