Mansfeld-Südharz
Schwiegermutter in spe machte junge Leute bekannt

Als Gisela Laubrich geb. Heise, Jahrgang 1930, 1944 nach acht erfolgreichen Jahren die Grundschule in Hettstedt verließ, wollte sie eigentlich Kinderschwester werden. Aber der Krieg hatte die ausbildende Schule vernichtet. Doch eine Lebensmittelkarte wollte die 14-Jährige haben, also ging sie zunächst in die Landwirtschaft nach Endorf. Nach Kriegsende wurde sie zur Demontage in die Nähe von Torgau geschickt, wo ihr ihre gute Schrift zu einer leichten Schreibarbeit beim Arzt verhalf.
Schreibhilfe war sie auch in Profen, wohin man die jungen Leute bei Nacht und Nebel auf Lkw gebracht hatte. Das gefiel vielen nicht, und so "hauten wir ab nach Hause", erzählte die Jubilarin. Dort fand sie schnell Arbeit: zunächst als Reinigungskraft in der Kupferhütte, dann als Bürohilfe. "Das war mein Glück. Auf die Art habe ich meinen Rolf kennen gelernt", denn in der Hüttenküche arbeitete seine Mutter, die wohl Gefallen an dem jungen Mädchen fand. Sie machte sie mit ihrem Sohn bekannt, der damals in der Silberhütte tätig war. Das war im April 1948. Von da an traf man die zwei Turteltauben auf den Tanzböden der Umgebung.
Rolfs Leben verlief wie bei vielen Jungen seines Jahrgangs: Nach Schulabschluss 1943 in der Molmecker Grundschule arbeitete er als Gärtner und dann im Walzwerk. Zur Strafe, weil sich der 16-Jährige nicht freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte, wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen.
In Stendal erlebte er den Zusammenbruch und kam nach Braunschweig in Gefangenschaft. Zum Arbeitseinsatz nach Wolfenbüttel entlassen, konnte er sich nachts Richtung Heimat absetzen. Zunächst arbeitete Rolf Laubrich in der Silberhütte, dann meldete er sich zur Kasernierten Volkspolizei. Da blieb er auch nur ein Jahr, um anschließend nahe seiner Freundin auf der Saigerhütte zu arbeiten.
Dem Paar blieb das Glück treu: Zwei Tage vor Weihnachten im Jahr 1950 kam Sohn Dieter zur Welt. 1952 kauften die jungen Leute Rolfs Mutter und Stiefvater das Haus ab, in dem sie heute noch leben. Sie bauten für die Eltern eine Einliegerwohnung aus, hielten sich Tiere und Blumen. 1956 qualifizierte sich Gisela Laubrich zur Industriekauffrau und arbeitete bis zur Rente in diesem Beruf. "Eigentlich ein schönes Leben", meinte die Jubilarin, zu deren Familie inzwischen auch zwei Enkelkinder und ein Urenkel gehören.


























