Städterivalität
...und sie lieben sich doch

Kennen gelernt hat der Trainer des Basketball-Oberligisten Justabs Halle seine aus Magdeburg-Olvenstedt stammende Frau vor zehn Jahren beim Sport-Studium an der Saale, seit neun Jahren sind beide ein Paar. Die Rivalität beider Städte hat die Beziehung nie gestört, sagen sie. "Solange es nicht in Gewalt ausartet, ist es manchmal sogar unterhaltsam", findet Brumme.
Dabei wagt er sich durchaus auf "heißes Pflaster": Fußball. Ein Schulfreund seiner 28-jährigen Frau ist Torwart beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Er brachte zur Hochzeit vor zwei Jahren als Geschenk zwei FCM-Gläser mit, Brumme "revanchierte" sich umgedreht vor einem Monat mit einem Aufkleber vom Halleschen Fußballclub. Der 33-jährige sieht das locker, auch dann, wenn seine Frau dem FCM die Daumen drückt und er - obwohl viel eher Basketballfan - natürlich dem HFC. Dem Fanatismus, mit dem manche die Rivalität zwischen den Fan-Lagern betreiben, können beide nichts abgewinnen.
Natürlich hat das junge Ehepaar sich anfangs auch gegenseitig mal zugefrotzelt. Er lästerte, dass Magdeburg sich seinen Landeshauptstadt-Titel doch nur gekauft haben könne, so schön wie Halle sei. Sie stichelte über Halles - wenigstens im Vergleich zum platten Magdeburger Land - hügelige Lage und fragte kokett, ob die Stadt denn auf einer Müllhalde gebaut sei. "Wir wussten beide, dass unser Lästern nur Spaß ist", betont Brumme. Vor allem seien es ohnehin Freunde gewesen, die amüsiert die Kontroverse Magdeburg-Halle ins Spiel brachten. "Was willst du denn in Halle, die Stadt ist doch hässlich" hörte sie, fast wörtlich umgedreht wurde die Frage ihm gestellt. "Fast alle aber waren damals nie wirklich in der jeweils anderen Stadt", sagt Brumme.
Okay, dann Hand aufs Herz: Was ist denn nun schön an Magdeburg? "Die Innenstadt nicht so, aber wenn man fünf Minuten läuft, sieht es schon anders aus", sagt Brumme. "Das Elbufer ist schön gemacht, der Hasselbachplatz. Und es gibt schon ein paar alte Häuser mit dem Flair wie im halleschen Paulusviertel." Und an Halle? "Paulus- und Mühlwegviertel", sagt sie, "dass die Peißnitz so zentral liegt, der Boulevard, die fünf Türme."
Woher die Rivalität beider Städte kommt, da ist sich auch Brumme nicht ganz sicher. "Vermutlich, weil beide nach der Wende Landeshauptstadt werden wollten und die Hallenser ein bisschen sauer waren", sagt er. "Aber vielleicht gab es das auch schon zu DDR-Zeiten? Ich weiß es nicht, dafür bin ich ein bisschen jung." Fakt ist: Den jeweiligen Eltern war das Thema schnuppe, als es um die künftigen Schwiegerkinder ging, sagt Brumme. "Die sind tolerant."
Noch während die Sporttherapeutin und ihr Mann entspannt über die beiden Städte und ihr Verhältnis zueinander plaudern, tut sich Entscheidendes vor ihren Augen: Oskar macht seine lange erwarteten ersten Schritte, ohne sich irgendwo festzuhalten. An seinem ersten Tag im FCM-Shirt! Das aber spielt in der Begeisterung nun erst recht keine Rolle mehr.
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