Die Linke
Belastet «IM Heinz» Lötzsch' Aufstieg?

Lötzsch hatte ihren Ehemann bisher als Opfer des SED-Staates dargestellt, weil er wegen «Beihilfe zum Staatsverrat» drei Jahre im berüchtigten Stasi-Gefängnis Bautzen gesessen habe. Für Lötzsch und die Linke könnte die Enttarnung im 20. Jahr der deutschen Einheit nun zum Problem im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen werden, wo die Linke am 9. Mai ins Landesparlament einziehen will. Besonders Union und FDP könnten die Stasi-Keule schwingen. Politische Gegner könnten Lötzsch auch vorhalten, sie sei als früheres SED-Mitglied zu eng mit dem DDR- Erbe verbandelt. Die Linke fordert nun vorsorglich, Lötzsch dürfe nicht in Mithaftung genommen werden. Die Stasi-Akte zeigt aber, dass der Fall schnelle Schlüsse und Vorverurteilungen verbietet.
Trotzdem könnten auf die Kandidatin für das höchste Amt unangenehmen Fragen zukommen, in ihrer Partei und auch öffentlich - zumal die aus Ost und West vereinigte Partei in einem Mitgliederentscheid erst noch darüber entscheiden wird, ob die Partei weiter von einer Doppelspitze geführt werden soll. Lötzsch' Mitbewerber aus dem Westen für den gemeinsamen Parteivorsitz, Klaus Ernst, nimmt sie in Schutz. Es könne nicht sein, dass so in ihrem Privatleben herumgekramt werde, demnächst interessiere womöglich noch, wer einen «Schäferhund hat, der einen Mauerflüchtling gebissen hat».
Aber wusste die Ostdeutsche mit der betont nüchternen Art wirklich nichts von den Stasi-Umtrieben ihres Mannes, den sie erst zwei Jahre vor dem Ende der DDR geheiratet hatte? Der Name von Gesine Lötzsch taucht in den Stasi-Akten, die die Birthler-Behörde jetzt herausgegeben hat, nicht auf. Es gibt aber eine handschriftliche Verpflichtungserklärung ihres Mannes.
Erst vor einiger Zeit hatte Lötzsch für eine Duldung früherer Stasi-Mitarbeiter in Parlamenten und sogar Ministerämtern plädiert und war damit auf heftige Kritik gestoßen. Sie hatte sich auch große Empörung eingehandelt, als sie sich nicht rechtzeitig von Auftritten früherer Stasi-Größen in ihrem seit 2002 stets gewonnenen Wahlkreis Berlin-Lichtenberg distanzierte. Und am Wochenende verglich Lötzsch in einem Interview die DDR-Bespitzelung mit der Vorratsdatenspeicherung: Sie sei erstaunt, wie Methoden, die in der DDR angewandt wurden, eine Renaissance erlebten.
Die mehr als 100 Seiten der Stasi-Akte, die der Deutschen Presse- Agentur dpa vorliegen, stimmen nicht mit ihren bisherigen Äußerungen über ihren Mann überein: Er war nach zwei Jahren Haft in Bautzen vorzeitig frei gekommen und danach von der Stasi angeworben worden. 1984 enden die Berichte des IM. «Genosse Heinz» erschien in dem Jahr nach den Aufzeichnungen zwar noch zum konspirativen Stasi-Treff. Doch da er nun meist zu Hause gearbeitet habe, sei er «nicht mehr aussagekräftig», schrieb die Stasi.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass Lötzsch' Mann sich auf Druck 1962 verpflichten ließ. Die IM-Anwerbung war für die Stasi in Gefängnissen einfacher als außerhalb, sagt Tobias Wunschik von der Stasi-Unterlagen-Behörde. «Der Gefangene konnte sich in der Ausnahmesituation nur schwer entziehen - und er hoffte vielleicht auf einen Strafrabatt, Hafterleichterung oder Verlegung.» In den Stasi- Akten steht aber auch, obwohl der IM eine staatsfeindliche Gruppe begünstigt habe, stehe er jetzt auf dem Boden der DDR und habe seine Fehler ehrlich erkannt. «IM Heinz» habe seine Aufträge gewissenhaft erledigt, heißt es mit Blick auf die langjährige Kooperation.
















