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Abstieg auf Raten in die Regionalliga

erstellt 10.03.10, 18:51h, aktualisiert 13.03.10, 19:27h
Uwe Mäuer ist am Ball
Uwe Mäuer muss wie seine Teamkollegen in der nächsten Saison erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen. (FOTO: ENGELBERT PÜLICHER)
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BERNBURG/MZ. Handball-Zweitligist SV Anhalt Bernburg hat zwar den sportlichen Klassenerhalt durch den Rückzug des HSV Hannover und der Ahlener SG geschafft, wird aber von großen wirtschaftlichen Sorgen geplagt. Mit dem Geschäftsführer Jürgen Weigelt unterhielt sich MZ-Mitarbeiter Carsten Roloff über die Zukunft des Vereins.

Der SV Anhalt schiebt schon seit Jahren einen Schuldenberg in sechsstelliger Höhe vor sich her. Können Sie noch ruhig schlafen?

Weigelt: Die finanzielle Situation ist sehr angespannt. Aber wir haben in den letzten Wochen viele Gespräche geführt. Unsere Hauptsponsoren bleiben an Bord. Deswegen können wir auch den Lizenzantrag stellen. Nehmen wir diese Hürde, werden wir auch in der nächsten Saison in der zweiten Bundesliga spielen können. Das ist ein Geschenk für die Stadt Bernburg.

In sportlicher Hinsicht reißt die Mannschaft keine Bäume aus. Warum ist Bernburg in der zweiten Liga Nord nur Letzter und hat die letzten zehn Spiele nicht gewonnen?

Weigelt: Die jetzige Mannschaft ist von ihrem Leistungsvermögen in der Lage, in der Tabelle viel weiter oben zu stehen. Der Grund für die Niederlagenserie ist das Verletzungspech. Uns standen mit Pawel Poplawski, Risto Lepp, Martin Wartmann, Bogumil Buchwald oder Luchien Zwiers viele Leistungsträger über Wochen nicht zur Verfügung. Trainer Helmut Röder musste vor allem auf Rechtsaußen und auf der Torwartposition nach Lösungen zu suchen. Ingars Dude war gezwungen, als Rechtshänder auf Rechtsaußen zu spielen. Sebastian Eckert aus der Reserve half oft im Kasten aus. In der Summe waren wir im Tor und auf der rechten Außenbahn schwächer besetzt als unsere Konkurrenten.

Erneut wird die Lizenz beantragt. Sie haben immer betont, dass dafür die Personalkosten gesenkt werden. Wie hoch ist der Etat für die kommende Saison?

Weigelt: Wir bewegen uns auf einem ähnlichen Finanzniveau wie der HSV Hannover, haben einen Etat von knapp 400 000 Euro. Doch wegen des Schuldenberges können wir keine großen Sprünge machen, müssen uns wirtschaftlich konsolidieren. Für den Schuldenabbau geht auch ein Teil des Geldes drauf.

In welchem Rahmen bewegt sich die Summe für den Abbau der Verbindlichkeiten?

Weigelt: Darüber möchte ich keine Angaben machen. Wir sind aber dadurch in unserer Handlungsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Wir haben einen vertraglich gesicherten Sponsoren-Pool, der höher als vor zwei Jahren ist. Doch im Oktober 2008 konnten wir nur mit großer Mühe eine Insolvenz abwenden. Diese Geschichte hat sich in den letzten Monaten leider viermal wiederholt. Immer wieder sind neue Rechnungen aufgetaucht, die beglichen werden mussten.

Schon in dieser Saison ist der Kader zu dünn besetzt. Wie wollen Sie verhindern, dass der SV Anhalt im nächsten Jahr über die Rolle des Punktelieferanten hinauskommt und nur Kanonenfutter ist?

Weigelt: Uns stehen harte Zeiten bevor. Die Durststrecke müssen Mannschaft, Vorstand und Fans gemeinsam durchstehen. Wir werden nicht zu den Teams gehören, die um die Qualifikation für die eingleisige zweite Bundesliga mitspielen. Es wäre gegenüber den Anhalt-Anhängern Augenwischerei, wenn wir eine andere Zielstellung verkünden würden.

Das hört sich nach freiwilligem Abstieg in die Regionalliga an. Warum haben Sie sich nicht sofort dazu entschlossen? Gibt es im Aufsichtsrat keine Befürchtungen, dass der sportliche Ruf ramponiert wird?

Weigelt: Wir haben die Entscheidung für die zweite Bundesliga im Aufsichtsrat in gemeinschaftlicher Verantwortung getroffen. Wir werden die Saison 2010 / 11 dazu nutzen, um jungen Spielern eine Chance zu geben, in dieser Spielklasse Erfahrungen zu sammeln, damit sie dann in der Regionalliga sportlich bestehen können. Wir werden viel Lehrgeld zahlen. Aber damit haben wir zumindest die Garantie, dass wir in der Saison 2011 / 12 in der dritten Liga spielen dürfen.

Mit dem HC Aschersleben existiert ein ambitionierter Verein in unmittelbarer Nachbarschaft. Weshalb lehnt der Regionalliga-Spitzenreiter eine Zusammenarbeit mit dem Zweitligisten SV Anhalt Bernburg vehement ab?

Weigelt: Zuerst möchte ich einmal sagen, dass wir offiziell noch gar nicht an den HCA herangetreten sind. Zwischen Jürgen Arndt und mir gab es ein lockeres Gespräch. Da ging es aber nur darum, sich gegenseitig kennen zu lernen. Wir haben nie konkrete Angebote unterbreitet. Da kann es sich bei der Aschersleber Reaktion nur um ein Missverständnis handeln. Es steht jedoch auch fest, dass wir alle im selben Boot sitzen. Andere Vereine haben es uns vorgemacht, wie mit sinnvollen Absprachen etwas erreicht werden kann.


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