mz-web.de
Topthemen
Thüringen

Althaus wird Top-Manager

erstellt 29.01.10, 10:43h, aktualisiert 29.01.10, 19:39h
Dieter Althaus
Dieter Althaus legt sein Landtagsmandat nieder und steigt bei Magna ein. (FOTO: DPA)
Bild als E-Card versenden Bild als E-Card versenden
Oberwaltersdorf/ddp. Der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) verlässt die Politik und übernimmt einen Top-Managerposten beim österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna. Zum 1. Februar werde er als Vize-Präsident für den Kunden Volkswagen zuständig sein, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Zudem sei Althaus für die «Kontakte zu öffentlichen Stellen in Deutschland» verantwortlich. Althaus kündigte an, sein Landtagsmandat Ende April niederzulegen. Der Wechsel in die Wirtschaft löste breite Kritik aus.

Der 51-jährige Althaus betonte, die Initiative sei von Magna ausgegangen. Er kenne den Autozulieferer aus seiner Regierungszeit gut. Der Ex-Regierungschef will sich beim Konzern «national und international um alles, was VW betrifft» kümmern. Er werde viel unterwegs sein, um alte und neue Kontakte zu intensivieren. Sein Hauptbüro beziehe er bei VW in Wolfsburg, wohnen werde er weiter in Heiligenstadt.

Laut Magna-Chef Siegfried Wolf ist es «erfreulich, wenn Politiker ihre exzellenten Kontakte und Erfahrungen nach der aktiven Zeit der Wirtschaft zur Verfügung stellen und sich nicht auf Funktionärstätigkeiten zurückziehen».

Althaus hatte sich vergangenes Jahr für eine Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel durch Magna starkgemacht. In dieser Zeit standen Althaus und Wolf häufig in Kontakt. Anfang November hatte die Opel-Mutter General Motors den Verkaufsprozess jedoch abgebrochen und eine Sanierung in Eigenregie angekündigt. Opel unterhält vier Werke mit rund 24 300 Beschäftigten in Deutschland, darunter im thüringischen Eisenach.

Althaus war vier Tage nach dem Debakel der CDU bei der Landtagswahl im vergangenen August als Ministerpräsident und Parteivorsitzender zurückgetreten. Am Neujahrstag 2009 hatte der Politiker einen schweren Skiunfall in Österreich verursacht, bei dem eine Frau gestorben und er selbst schwer verletzt worden war. Althaus' Umgang mit seiner Verantwortung hierzu hatte dabei öffentlich Irritationen ausgelöst.

«Der Wahlausgang und mein Rücktritt haben mir deutlich gemacht, neue Wege zu gehen», sagte Althaus. Mit einer späteren Rückkehr in die Politik rechnet er nicht. Mit der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel habe er intensiv über seine politischen Perspektiven gesprochen. «Aber ein Wechsel in die Bundespolitik war nicht vorstellbar.» Jetzt gehe er den Weg mit Magna.

Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim rügte den «raschen Wechsel in die Wirtschaft». Dies schade dem Ansehen der Politik. Leider gebe es keine Vorschriften, die Politikern den Wechsel zu Firmen verböten, für die sie sich vorher politisch eingesetzt hätten. Er forderte eine Karenzzeit von zwei Jahren, in der sich Politiker nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt nicht als Lobbyisten verdingen dürfen.

Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow sagte, Althaus' Wechsel sei ein «eklatanter Fall von Lobbykratie». Er verwies darauf, dass Magna für seine beiden Standorte in Thüringen Landesgelder erhalten habe.


Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

    
    






Anzeige
Anzeige