Komplettlösungen sind Erfolgsrezept für Möbelbauer

Das ist nicht selbstverständlich: "Mehr als hundert Tischlereien gab es nach dem Zweiten Weltkrieg in Dessau, 15 waren es noch in den 70er Jahren - heute kann man sie an einer Hand abzählen", so der Chef der Firma, die aus der Ein-Mann-Tischlerei seines Großvaters hervorgegangen ist. Vor 90 Jahren hatte er sie gegründet.
Während der Großvater Ende der 20er Jahre mit Weltwirtschaftskrise und Inflation zu kämpfen hatte, spürt Frank Vetter von der derzeitigen Krise nicht viel. 2009 war "ein gutes Jahr" für den Mittelständler - sogar erfolgreicher als 2008, sagt er. "In Krisenzeiten besinnen sich die Leute auf ihr Zuhause - davon profitieren wir", sagt seine Frau Petra Vetter, die sich um die Buchhaltung und den zur Firma gehörenden Möbelladen kümmert. Das spüre man auch an der großen Nachfrage an Regalen und Bibliotheken: "Es wird wieder mehr gelesen." Privatkunden machen in der Firma rund ein Viertel des Umsatzes aus.
Um mit der Entwicklung mitzuhalten, hat der Dessauer Möbelbauer längst neue Geschäftsfelder für sich erschlossen: Der 29-jährige Sohn Henning Vetter, Tischlermeister und Holztechniker, ist seit zwei Jahren zuständig für Projekte zum Innenausbau von Yachten. Sein vier Jahre älterer Bruder Tom führt indessen ein Tochterunternehmen für Büro- und Objekteinrichtung, das auf die Ausstattung von Pflegeheimen spezialisiert ist.
Daneben setzt Frank Vetter, der auch schon für das Dessauer Bauhaus gearbeitet hat, seit Jahren sein Erfolgsrezept um: Es besteht darin, Komplettlösungen für den privaten und gewerblichen Innenausbau anzubieten. Dafür habe man viele Netzwerke mit anderen Gewerken aufgebaut. Mittlerweile stoße man mit der Werkstatt, die die Familie Mitte der 80er Jahre eingerichtet hat, platzmäßig an Grenzen. Vetter denkt über eine Erweiterung nach. Was ihm indes Kopfzerbrechen bereitet, ist die Suche nach geeigneten Auszubildenden, die sich inzwischen recht schwierig und langwierig gestalte.
Solche Probleme seien jedoch nicht zu vergleichen mit jenen zu DDR-Zeiten. "Es war abenteuerlich", sagt Frank Vetter und erzählt vom Materialmangel und der Zuteilung pro Quartal. In der Traditionstischlerei wurden damals größtenteils Fenster und Türen hergestellt, weil für Möbel - die eigentliche Leidenschaft des Innenarchitekten - das Material fehlte.



























