Bindestrich im Stadtnamen sorgt für einigen Verdruss

Eineinhalb Stunden hatten die Männer über die "Bauhausstadt Dessau" diskutiert. Im Konsens. Prigge hätte die Diskussion an diesem Punkt beenden - und dann die entscheidende Frage des Abends vergessen. Hans-Werner Pohl wusste darum. "Wir können sofort Uneinigkeit herstellen", drohte der CDU-Fraktionschef im Dessau-Roßlauer Stadtrat. "Diskutieren wir doch", forderte Pohl, "ob wir die Stadt offiziell umbenennen sollen?" Pohl ist dagegen. "Es verbietet uns kein Mensch, nach außen mit dem Label Bauhausstadt zu werben und trotzdem den Stadtnamen Dessau-Roßlau zu lassen."
Pohl hatte seine Sätze kaum zu Ende gesprochen - und die Einigkeit war - wie vorausgesagt - dahin. "Das hört sich nach ,Wasch mich, aber mach' mir den Pelz nicht nass", schmunzelte Andreas Kopf. Der Geschäftsführer von Debolon ist weltweit unterwegs. "Das Bauhaus kennt jeder. Warum wollen wir auf diesen Trumpf verzichten?" Bauhausstadt gehöre natürlich in den Städtenamen, der dann nur noch Dessau sein könne.
Im Jahr 2007 fusionierten Dessau und Roßlau. Nicht ganz freiwillig. Das Zusammengehen rettete Dessau den Status eines kreisfreien Oberzentrums. "Doch wer hat uns eigentlich diesen Bindestrich zugemutet?", fragte Hubert Ernst, Chef der Stadtsparkasse, zuversichtlich, "dass der Zeitpunkt kommt, wo die Roßlauer wissen, dass mit der Umbenennung beide Seiten gewinnen".
Klar ist: Die Erwartungen an das Bauhaus sind so groß wie unterschiedlich - und haben neuen Schwung genommen, seit Philipp Oswalt Chef des Bauhauses ist, der die Diskussionen um die Bauhausstadt Dessau mindestens befördert. Die Erwartungen sind mit der Hoffnung verbunden, dass sich das weltweite Alleinstellungsmerkmal, das das Bauhaus unbestritten ist, vermarkten lässt und die Stadt daraus Identität, vor allem aber neue Kraft schöpfen kann.
Viele Dessauer wollen das nutzen. "Wir müssen Stärken stärken", forderte Dessaus ehemaliger Oberbürgermeister Jürgen Neubert und schlug als richtigen Zeitpunkt der Umbenennung das Jahr 2016 vor - 90 Jahre nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau. "Da ist genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten", sagte Neubert und bekam doch Widerspruch. "Noch sechs Jahre warten? Das ist nicht effektiv", stöhnte Hans Tschammer. Der unsägliche Bindestrich im Städtenamen müsse weg, forderte der SPD-Chef. Allerdings nicht als SPD-Chef. "Das letzte Mal habe ich dafür aus Roßlau viel Prügel einstecken müssen. Das ist meine Meinung."
Tschammers Schlusswort bekam im Ratssaal den lautesten Beifall des Abends. Vielleicht auch, weil andere schon weiter sind? Prigge hatte vor der Diskussion das Wort Bauhausstadt gegoogelt. "Die ersten zehn Einträge verbinden das immer mit Dessau." Es ist eine Selbstverständlichkeit, die der Stadt selbst noch fehlt.



























