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Auswege aus dem Mangel

VON JULIA KLABUHN, 08.12.09, 18:54h, aktualisiert 29.08.10, 14:27h
Eine Laborantin
Eine Laborantin arbeitet in einem Labor des Leipziger Translationszentrums für Regenerative Medizin. (FOTO: TRM)
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LEIPZIG/MZ. In Deutschland gibt es zu wenig Organspenden. Obwohl Transplantationen zunehmend erfolgreich durchgeführt werden, finden pro Jahr nur rund 4 000 dieser Operationen statt. Die Biomedizin sucht deshalb nach Alternativen und erforscht neue Stammzelltherapien zur Herstellung von Organgewebe. Sie bewegt sich damit jedoch ethisch und rechtlich auf einem kontrovers diskutierten Gebiet. Genau dieses Spannungsfeld loten Wissenschaftler derzeit bei einem gemeinsamen Symposium des Translationszentrums für Regenerative Medizin der Universität Leipzig (TRM) und des Interdisziplinären Zentrums Medizin-Ethik-Recht der Universität Halle aus.

Es gebe mehrere Möglichkeiten, Spenderorgane zu ersetzen, erklärt der Direktor des TRM der Uni Leipzig, Frank Emmrich. Die Wissenschaftler am Translationszentrum setzen dabei auf Stammzellforschung und versuchen so, Organgewebe herzustellen. "Sehr vielversprechend ist der Weg, Gerüste aus künstlichem, biologisch abbaubarem Gewebe mit Stammzellen zu besiedeln, um zum Beispiel Herzmuskelgewebe zu erhalten", so Emmrich. Ganze Organe kann man allerdings noch nicht erzeugen. Bisher beschränke sich die Forschung auf Haut-, Knorpel- und Knochengewebe.

Die Stammzellforschung ist eines der Spannungsfelder, die Juristen, Mediziner und Theologen derzeit in Leipzig diskutieren. Vor allem die Nutzung embryonaler Stammzellen stößt auf ethische Bedenken und ist deshalb in Deutschland streng geregelt. Stammzelllinien aus menschlichen Embryonen dürfen in Deutschland nicht hergestellt werden. Die Forscher greifen auf ausländische Importe zurück. Diese müssen für einzelne Projekte beim Robert-Koch-Institut in Berlin beantragt werden. Sie müssen vor dem 1. Mai 2007 gezüchtet worden sein, um zu verhindern, dass sie speziell für deutsche Forscher erzeugt werden. Noch sei allerdings gar nicht sicher, ob die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu Erfolg versprechenden Behandlungsmöglichkeiten führen könne, sagt Emmrich. "Es hat sich in Experimenten gezeigt, dass embryonale Stammzellen auch Tumore hervorrufen können", warnt der Wissenschaftler. Ehe das nicht näher untersucht sei, könnten solche Verfahren nicht angewendet werden.

Emmrich selbst forscht nicht mit menschlichen embryonalen Stammzellen. Am TRM arbeiten die Forscher mit adulten Stammzellen. Diese finde man in vielen Organen, zum Beispiel in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und im Nabelschnurblut. 2007 ist eine weitere Art der Stammzellen gefunden worden, die nahezu alle Eigenschaften von embryonalen Stammzellen aufweist: die induzierten pluripotenten Stammzellen. "Das sind zurückprogrammierte Zellen, bei denen ein sehr früher Entwicklungsstand wiederhergestellt wird", erklärt Emmrich. Dennoch hält der Forscher Untersuchungen mit embryonalen Stammzellen weiter für notwendig. Diese brauche man zumindest, um als Vergleich für die Forschung an anderen Stammzellarten zu dienen.

Neben dem Ersatz von Spenderorganen werde bei der Tagung auch diskutiert, wie die Zahl der Spenden erhöht werden kann. "Es gibt etwa in Österreich die Regelung, dass alle Verstorbenen Organspender sind, wenn dem nicht ausdrücklich widersprochen wird", sagt Emmrich. Dieser Weg sei auch in Deutschland denkbar, wo bisher die Angehörigen zustimmen müssen, sofern ein Organspendeausweis fehlt. Wichtig sei in jedem Fall, das Thema noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, so Emmrich. Denn Angehörigen, die nach dem Tod eines Menschen noch unter Schock stehen, falle die Entscheidung für eine Organspende oft sehr schwer. "Ich kann nur an jeden Einzelnen appellieren, das Thema Organspende in der Familie zu diskutieren."


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