Extremismus
Bundesweite Demonstrationen gegen Rechts
NPD-Aufmarsch in Wunsiedel - Pößneck verbietet rechte Kundgebung - Bürgerfest in Halbe
VON André Spangenberg und Antje Poehner, 14.11.09, 17:50h

Teilnehmer einer Protestkundgebung erinnern vor dem Friedhof in Wunsiedel im Fichtelgebirge mit Holzkreuzen und einem Transparent mit der Aufschrift "Wir gedenken der Opfer und nicht der Täter" an die Opfer rechter Gewalt in der jüngeren Vergangenheit. (FOTO: DPA)
Wunsiedel/München/Halbe/ddp.
Mehrere Tausend Menschen haben am
Samstag in verschiedenen Orten Deutschlands gegen Rechtsextremismus
und Neonazi-Aufmärsche demonstriert. Die größten Proteste gab es in
Halbe mit rund 2000 Teilnehmern bei einem Bürgerfest und München, wo
ein von der NPD angemeldetes sogenanntes Heldengedenken
zwischenzeitlich von bis zu 1500 Gegendemonstranten begleitet wurde.
Im thüringischen Pößneck verbot das dortige Landratsamt eine
NPD-Gedenkveranstaltung für den toten NPD-Vize-Vorsitzenden Jürgen
Rieger. Auch in Wunsiedel, wo der Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß
begraben ist, wehrten sich Bürger gegen einen NPD-Aufmarsch von rund
600 Rechtsextremen.
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte die Veranstaltung in
Wunsiedel zum Gedenken an Rieger mit der Beschränkung erlaubt, dass
jede Form der Erwähnung von Heß zu unterlassen sei. Rieger hatte in
Wunsiedel viele Jahre lang Neonazi-Aufmärsche zum Gedenken an Heß
organisiert. Seit 2005 sind diese Märsche verboten. Nach der Absage
der NPD-Veranstaltung in Pößneck kamen rund 400 Rechtsextreme nach
Wunsiedel.
Der dortige Neonazi-Aufmarsch war - wie auch das «Heldengedenken»
in München - in letzter Minute vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof
(BayVGH) genehmigt worden. Nach Auffassung des VGH war das
vollständige Verbot der Versammlung nicht mit den rechtlichen
Anforderungen des bayerischen Versammlungsgesetzes vereinbar.
Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck (CSU) bezeichnete den
Richterspruch als «nahezu eine Provokation der aktiven Bürgerschaft».
Der thüringische Saale-Orla-Kreis hat indes die von der
rechtsextremen NPD angemeldete Demonstration in Pößneck erfolgreich
verhindert. Am Freitagabend hatte die Kreisverwaltung den
Gedenkmarsch der Rechten verboten und auch jede Form von
Ersatzveranstaltungen am 14. November untersagt. In dem Ort steht
Riegers «Schützenhaus». Insbesondere die geplante Zwischenkundgebung
in Höhe Schützenhaus wurde vom Landsratsamt als «unmittelbare
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit» eingeschätzt.
Im brandenburgischen Halbe, wo in den vergangenen Jahren jeweils
am Vortag des Volkstrauertags Hunderte Neonazis zum «Heldengedenken»
kamen, wurde derweil ein Bürgerfest für Demokratie, Toleranz und
Weltoffenheit gefeiert. Unter den 2000 Besuchern, die im Tagesverlauf
kamen, waren unter anderem Brandenburgs Jugendminister Holger
Rupprecht (SPD) sowie Abgeordnete des Landtags und des Kreistags
Dahme-Spreewald.
Der Waldfriedhof von Halbe ist die größte Kriegsgräberstätte
Deutschlands, auf der mehr als 23 000 Kriegstote ihre letzte
Ruhestätte gefunden haben. Seit Jahren streiten Bürger aus Halbe und
der Region dafür, dass der Waldfriedhof nicht zum Wallfahrtsort wird.
Das Bürgerfest fand trotz Absage einer ebenfalls für Samstag
NPD-Demonstration statt.






























