Indonesien
Lohn für Frühaufsteher
Perle der Inselrepublik ist Java - Als touristische Höhepunkte auf dem bevölkerungsreichsten Eiland der Welt empfehlen sich Vulkane und Tempel
VON EKKEHART EICHLER, 19.11.09, 17:13h, aktualisiert 19.11.09, 17:59h

Von den oberen Terrassen des Borobudur-Tempels hat man einen fantastischen Blick auf die Umgebung. (FOTO: EKKEHART EICHLER)
Halle/MZ. Wenn der Morgen graut über dem Bromo-Tengger-Semeru-Nationalpark in Ost- Java, sollte man unbedingt auf den Beinen sein. Denn was sich allmählich aus stockdunkler Nacht schält, ist nichts weniger als eine der spektakulärsten Vulkankulissen der Welt und eine wahrhaft atemberaubende Belohnung für jeden Frühaufsteher.
Eine riesige Caldera mit zehn Kilometern Durchmesser bildet die Basis dieser Freilichtbühne, deren Boden mit Sand und Vulkanasche bedeckt ist. Aus dieser Mondlandschaft nun erheben sich gleich mehrere Hauptdarsteller mit jeweils unverwechselbarem Charakter. Zuvorderst ein markanter Guglhupf namens Batok, versetzt dahinter und mit gekappter Kappe der brodelnd-dampfende Bromo sowie im Hintergrund der symmetrische Kegel des Semeru, ein gigantischer Wächter über dem gesamten Areal.
Endlos genießen freilich lässt sich das Panorama nicht. Erst wabert eine Gespensterarmee von Nebelstreifen hinterrücks über die Ränder des Kessels, dann greifen mit aufsteigender Sonne Wolkenregimenter an und verkleistern heimtückisch binnen kürzester Zeit die Sicht. Wer bis dahin seine Bilder nicht im Kasten hat, braucht Trost und eine neue Gelegenheit.
Die kommt eine Stunde später. Vom 2 700 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt rumpelt die Jeep- Kolonne abwärts. Schnurstracks hinein in die Caldera, vor die Füße von Batok und Bromo. Durch das Sandmeer und über die erkalteten Lava-Flanken erreicht man per Pferd oder zu Fuß schließlich die steile Treppe zum Kraterrand des Bromo mit Logen-Einblick in sein höllisches Innenleben. Der zischende und speiende Schlund mit der permanenten Rauchfahne und den stinkenden Schwefelschwaden ist freilich nicht jedermanns Sache. Während Hartgesottene im wahrsten Wortsinn eine Gratwanderung unternehmen und dabei jederzeit das Abrutschen in den Krater riskieren, klammern sich andere geradezu krampfhaft fest am Geländer oder verharren als Salzsäule am Standort - zu nah scheint manchem das teuflische Inferno. Ungerührt von alldem bleiben jedenfalls nur die einheimischen Tenggeresen, die hier oben ihre Souvenirgeschäfte abwickeln.
Ein heißer Bursche wacht auch über Zentral-Java. Immer wieder bricht der Merapi aus; 2006 wälzten sich zum bisher letzten Mal feurige Lavaströme und giftige Gaswolken die Hänge des aktivsten Vulkans Indonesiens herab. In friedlichen Zeiten umkräuselt nur ein feiner Rauchschleier die Spitze des weithin sichtbaren Kegels. Bei klarer Sicht ist der Merapi somit auch ein attraktiver optischer Dauergast im Tempelkomplex von Prambanan.
Das vieltürmige hinduistische Heiligtum stammt aus dem 9. Jahrhundert und ist einer der größten kulturellen Schätze auf Java. Seine drei zentralen Tempel ragen hoch in den Himmel und symbolisieren so den Sitz der Götter. Kunstvolle Figuren und Reliefs schmücken die Außenwände, die nach dem schweren Erdbeben von 2006 gegenwärtig aufwändig restauriert werden. Der zweite große touristische Leckerbissen von Yogyakarta ist einen Quadratkilometer groß und für die Javaner das mystische Zentrum ihrer Kultur schlechthin. Hinter mehreren Mauern, die das Areal wie Zwiebelschalen umhüllen, residiert der Sultan von Yogyakarta, dem man mit allerhöchstem Respekt begegnet. Per Führung und unter den wachsamen Augen der hochangesehenen Palastwächter in traditionellem Batik-Sarong und mit Krummdolch im Gürtel sind große Teile des Sultanspalastes zugänglich; unter den sanften Klängen des Gamelan-Palastorchesters kann zudem zugeschaut werden, wenn Tänzer, Puppen- und Schattenspieler ihre Auftritte proben.
Die unbestrittene Hauptattraktion Javas aber heißt Borobudur und ist das indonesische Nationaldenkmal. Errichtet zwischen 760 und 830 zur Blütezeit des Buddhismus auf der Insel, zum einstigen Glanz neu aufpoliert unter maßgeblicher Beihilfe der Unesco von 1975 bis 1983. Seither verzaubert der monumentale Tempel jedes Jahr Hunderttausende Besucher.
Angelegt ist der aus zwei Millionen Quadern Vulkangestein aufgeschichtete Borobudur als kolossale Stufenpyramide, die gemeinhin als Abbild des Götterberges Meru gedeutet wird. Aus dem quadratischen Grundriss von 110 Metern Seitenlänge wachsen neun Terrassen zu einem 33 Meter hohen Berg an, der aus der Vogelperspektive wie ein Mandala erscheint, ein geometrisches Meditationsmuster.
Wer alle Terrassen nach buddhistischem Ritual komplett und im Uhrzeigersinn umrundet, legt eine Wegstrecke von mehr als fünf Kilometern zurück. Auf den quadratischen unteren fünf Terrassen wandelt man durch Galerien mit 1 300 szenischen Wandreliefs.


















