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Extremismus

Polizei sucht Neonazi-Angreifer von Brandis

Gruppe von 40 bis 50 Angreifern ging auf Anhänger von Roter Stern Leipzig los

erstellt 26.10.09, 22:24h, aktualisiert 14.12.09, 19:15h
Neonazis
Neonazis bei einem NPD-Aufmarsch (Archivfoto). (FOTO: DPA)
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Leipzig/Brandis/dpa. Nach einem Neonazi-Überfall auf Fußball-Fans im sächsischen Brandis hat die Polizei eine achtköpfige Ermittlungsgruppe gebildet. «Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft ermitteln wir wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung - zunächst gegen Unbekannt», sagte der Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen, Michael Hille, am Montag in Leipzig. Die Fahnder rechnen die Angreifer dem rechtsextremen Milieu zu. «Wir gehen davon aus, dass ein politischer Hintergrund da ist», sagte Hille. Politiker mehrerer Parteien forderten Aufklärung darüber, ob die Polizei schon im Vorfeld Hinweise auf einen Überfall hatte.

Eine Gruppe von 40 bis 50 Angreifern war am Samstag während der Bezirksliga-Partie FSV Brandis gegen Roter Stern Leipzig auf den Sportplatz gedrungen. Sie bewaffneten sich mit Holzlatten und Eisenstangen und gingen auf die Anhänger der Leipziger und später sogar auf die Polizei los. Drei Menschen wurden verletzt. Ob die Tatwerkzeuge schon auf dem Platz deponiert waren oder mitgebracht wurden, müsse noch geklärt werden, hieß es.

Gerüchte, nach denen es Hinweise an die Polizei über die bevorstehende Attacke gegeben hatte, wollte Hille nicht kommentieren. «Wir sind von einem relativ normalen Bezirksliga-Spiel ausgegangen», sagte Hille. Zehn Ordner und zwölf Polizisten waren zunächst auf dem Platz. Erst als die Situation eskalierte, rückten mehr Kräfte an. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Miro Jennerjahn will den Vorwurf über angebliche Hinweise mit einer kleinen Anfrage im Parlament klären.

«Die Vorfälle von Brandis verdeutlichen, dass das neonazistische Potenzial in Sachsen auch im zunehmenden Maß eine Gefahr für die Demokratie ist», erklärte Jennerjahn. Der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann forderte die Verantwortlichen im Fußball auf, «sich dem Problem des Rechtsextremismus unter den eigenen Anhängern offensiv zu stellen». «Wegschauen, Leugnen oder Schönreden hilft nicht!» Anti-Rechtsextremismus-Programme müssten gezielt gefördert werden.

Wegen der Neonazi-Randale ist auch ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet worden. Das sagte Reiner Hertle, Präsident des Leipziger Fußballverbandes, am Montag auf Anfrage. Zudem waren noch für Montag Gespräche zwischen dem FSV Brandis und dem Sächsischen Fußballverband geplant. Man müsse prüfen, ob das «Risikospiel ordnungsgemäß» von Verein und Polizei vorbereitet wurde, sagte Verbandspräsident Lutz Mende. «Man muss in Vereinen darauf achten, dass Menschen rechtsradikaler Gesinnung dort nicht mitwirken.»


    
    
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