Leipzig
Polizei löst rechte Demo nach Gewalt auf
Rechtsextremisten griffen mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern an - 3000 Gegendemonstranten
erstellt 18.10.09, 20:34h, aktualisiert 11.11.09, 17:22h

Hunderte Teilnehmer einer rechtsextremen Demonstration haben sich am Samstag in Leipzig versammelt. Polizisten aus mehreren Bundesländern sind vor Ort. (FOTO: DPA)
Leipzig/dpa. Ein Aufmarsch von mehr als 1000 Neonazis hat am Samstag in Leipzig zu teils massiven Ausschreitungen geführt. Die Polizei löste die von den Jungen Nationaldemokraten angemeldete
Demonstration auf, als Rechtsextremisten Polizeibeamte mit Steinen, Flaschen, Stangen und Feuerwerkskörpern angriffen. Wie die
Leipziger Polizei am Sonntag mitteilte, wurden sechs Polizisten
verletzt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Gegen den Aufmarsch der Neonazis hatten etwa 3000 Menschen friedlich demonstriert. Sie zogen am Sonntag ein positives Fazit ihrer Aktionen. Sachsens
Innenminister Markus Ulbig (CDU) sprach von «Null-Toleranz» für
Extremisten.
Zu dem Neonazi-Aufmarsch waren am Ende 1300 Anhänger der
rechtsextremen Szene aus ganz Deutschland gekommen, offensichtlich
mehr als auch die Organisatoren aus der NPD-Nachwuchsorganisation
vermutet hatten. Denn anfangs standen zu wenige Ordner bereit, um die
Teilnehmer unter Kontrolle zu halten. Der Beginn der Veranstaltung
verzögerte sich. Daraufhin flogen aus ihrer Mitte Steine und Flaschen
auf Polizisten.
In der Nacht zu Samstag hatten 200 Linksautonome im Stadtteil
Connewitz Barrikaden gebaut und Müllcontainer und Autos angezündet.
Insgesamt wurden bis Samstagabend 114 Extremisten beider Lager in
Gewahrsam genommen. Die Leipziger Polizei wurde durch mehrere
Hundertschaften aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern,
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie von der Bundespolizei
unterstützt.
Ulbig kündigte Konsequenzen an. «Wer Polizisten angreift, greift
die Gesellschaft und damit uns alle an. Ich freue mich daher über die
positive bundesweite Resonanz auf unsere Gesetzesinitiative zur
Strafverschärfung bei Gewalt gegen Polizeibeamte.» Vor einer Woche
habe Leipzig erlebt, wie fast 100 000 Menschen friedlich und
gewaltfrei auf der Straße waren, sagte er mit Blick auf die Feiern
zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution. «Jetzt erleben wir bei
den Demonstrationen der Extremisten von rechts und links schwere
Ausschreitungen. Wiederum zeigt sich: Die Extremisten betreiben die
Polarisierung unserer Gesellschaft.» Der Leipziger Polizeipräsident
Horst Wawrzynski sprach von hoher Gewaltbereitschaft und äußerte sich
betroffen über die Zerstörungen.
Etwa 3000 Menschen protestierten friedlich gegen die Neonazis.
Dazu hatte ein Bündnis aus Initiativen, Privatpersonen und Parteien
aufgerufen. «Leipzig hat am heutigen Tage wieder einmal gezeigt, dass
wir es nicht dulden, wenn in unserer Stadt menschenfeindliche Parolen
gerufen und Demonstrationen stattfinden sollen. Hier ist kein Platz
für alte und neue Nazis und so soll es auch bleiben», sagte die
Bundestagsabgeordnete der Grünen, Monika Lazar.
Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) dankte den
friedlichen Gegendemonstranten und der Polizei: Die Leipziger hätten
ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. «Sie
verhinderten, dass die Neonazis durch unsere Stadt marschieren und
ihre politischen Ziele erreichen konnten. So wurde deutlich sichtbar:
In Leipzig ist kein Platz für fremdenfeindliche Brunnenvergifter.»
Der frühere Pfarrer der Nikolaikirche, Christian Führer, sprach von
einem «Tag gelungener Demokratie»: «Am Sonnabend sind die Neonazis
nicht einen Schritt auf Leipzigs Straßen vorgedrungen.»
«Die große Zahl der Neonazis zeigt uns, wie groß das Problem des
Rechtsextremismus in Deutschland ist. Die rechte Szene tritt
zunehmend gewalttätiger auf», erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete
Manfred Kolbe. Aus diesem Grund sei auch eine weitere finanzielle
Förderung von Initiativen notwendig, die sich gegen Rechts und für
eine pluralistische Demokratie einsetzen. «Die schwarz-gelben
Koalitionen in Sachsen und im Bund sind in der Pflicht, die
bestehenden Programme fortzuführen und auszubauen».












































