Afghanistan
Deutsche kämpfen mit Panzern gegen Taliban
300 Bundeswehr-Soldaten kooperieren mit 900 afghanischen Soldaten und Polizisten - Luftwaffe unterstützt Bodentruppen
erstellt 22.07.09, 08:15h, aktualisiert 23.07.09, 12:30h

Ein deutscher Marder-Schützenpanzer der schnellen Eingreiftruppe fährt im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif während einer Übung durch den Sand. (FOTO: DPA)
Berlin/dpa. Die Bundeswehr kämpft derzeit in ihrer bisher
größten Militäroffensive gegen radikal-islamische Taliban in Nord-Afghanistan und setzt dabei erstmals Panzer und schwere Waffen ein.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) begründete die Operation
von rund 300 deutschen und 900 afghanischen Sicherheitskräften am
Mittwoch in Berlin mit der Verschlechterung der Lage im Raum Kundus
durch zunehmende Angriffe und Hinterhalte von Aufständischen. «Wir
sind jetzt besonders herausgefordert in Kundus», sagte er.
Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sagte, Ziel sei, die Lage
dort vor der afghanischen Präsidentschaftswahl im August wieder unter
Kontrolle zu bekommen, um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl zu
gewähren. «Es war jetzt einfach an der Zeit, diese Eskalation
vorzunehmen, (...) auch um Abschreckungseffekte zu erzielen.» Die
Offensive in einem Radius von 30 Kilometern um Kundus werde noch etwa
eine Woche dauern. Das Sicherheitsproblem sei damit aber nicht
erledigt. «Wir sind jetzt sieben Jahre in Afghanistan. Das ist das
Problem der Asymmeterie. Wir wissen es nicht, wie sich das
entwickelt.»

Soldaten der Bundeswehr sitzen im afghanischen Kundus auf ihren Einsatzfahrzeugen. Gemeinsam mit afghanischen Soldaten kämpfen sie derzeit gegen die Taliban. (FOTO: DPA)
Die Linke warf Jung vor, er kalkuliere den Tod von immer mehr
Zivilisten und Soldaten ein. «Frieden in Afghanistan kann nicht
herbeigebombt werden», sagte der Abgeordnete Paul Schäfer. Jung
warnte die Linkspartei wiederum davor, den Afghanistan-Einsatz in
Deutschland als «Wahlkampf-Munition» zu nutzen. Die Taliban suchten
die Bundeswehr gezielt für Angriffe aus, weil sie um die Wirkung in
der deutschen Bevölkerung wüssten. Die Taliban missbrauchten auch
Kinder als Schutzschilde und hätten keinen Respekt vor Krankenwagen.
«Das Rote Kreuz ist für sie eher noch ein Angriffsziel.»
Nach dem «Sorgenbarometer» des Magazins «Stern» wächst in
Deutschland die Furcht der Deutschen vor Kriegen mit deutscher
Beteiligung. 35 Prozent der Befragten hätten Angst davor - 5
Prozentpunkte mehr als bei einer Umfrage im März.
Schneiderhan sagte, neu an dieser Militäroffensive sei das Ausmaß,
das es im Norden so noch nicht gegeben habe. Der Einsatz schwerer
Waffen sei dagegen «keine neue Qualität», da die Truppe dort schon
lange über das Kriegsgerät verfüge. Die Militärführer vor Ort
entschieden aber, wann, wo und wie die Waffen eingesetzt würden. Nach
Angaben aus der Bundeswehr werden radikal-islamische Taliban in der
Region aus Pakistan gesteuert und finanziert. Die Taliban sollten nun
vertrieben und ihre Führung zerstört werden.
Laut Verteidigungsministeriums kommt auch sogenannte
Luftnahunterstützung zum Einsatz, in der Militärsprache «close air
support» genannt. Das bedeutet, dass die Luftwaffe den Bodentruppen
zu Hilfe kommt. Diesmal soll erstmals aus der Luft scharf geschossen
worden sein. Die Linke meinte, bedroht seien davon auch Zivilisten,
was die Bevölkerung in die Arme der Taliban treibe.
Jung bezeichnete den Einsatz trotz der neuen Offensive nicht als
Krieg: «Wir machen einen Stabilisierungseinsatz und keinen Krieg.»
Ziel sei nicht, die westliche Demokratie nach Afghanistan zu tragen.
«Dort müssen wir jetzt die Sicherheitslage in den Griff bekommen, um
auch weiter Wiederaufbau vorantreiben zu können.» In 360 von 400
Distrikten des Landes sei die Lage stabil. Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei beklagte, in Kundus mache sich
der gravierende Fehler bemerkbar, dass hunderte Stellen bei der
Polizei gestrichen worden seien. Dadurch hätten sich die Taliban dort
festsetzen können.
Schneiderhan und Jung erklärten, sie sähen keine Notwendigkeit,
den Bundestag um eine erneute Ausdehnung des Einsatzes zu bitten. Das
Mandat erlaube den Einsatz von bis zu 4500 Soldaten und er habe noch
Spielraum, sagte Schneiderhan. In der Bundeswehr wird allerdings mit
zusätzlichen Aufgaben in Afghanistan gerechnet, was mit der
derzeitigen Truppenstärke nicht geleistet werden könnte.





























