Extremismus
NPD kündigt «Deutschland-Pakt» mit der DVU auf
Hintergrund der Entscheidung sind schwere Zerwürfnisse zwischen den beiden Parteien
erstellt 28.06.09, 15:54h

Die NPD-Fahne auf dem Hof der NPD-Parteizentrale in Berlin. (Archivbild) (FOTO: DPA)
Potsdam/Berlin/dpa. Die rechtsextreme NPD hat ihren
«Deutschland-Pakt» mit der ebenfalls rechtsgerichteten DVU
aufgekündigt. Sie will nun bei der Landtagswahl in Brandenburg am 27.
September selbst antreten. Dies habe der Bundesvorstand am Samstag
einstimmig beschlossen, sagte der brandenburgische NPD-Vorsitzende
Klaus Beier auf Anfrage.
Der vor vier Jahren geschlossene Pakt sah vor, dass die beiden
Parteien bis Ende 2009 bei Wahlen nicht gegeneinander antreten. In
Brandenburg ist die DVU seit 1999 im Landtag vertreten. Die
Vereinbarung habe jedoch inzwischen ihre «Geschäftsgrundlage
verloren», heißt es in dem NPD-Beschluss. Der DVU-Bundesvorsitzende
Matthias Faust warf der NPD im Gegenzug Vertragsbruch vor.
Beier sagte, man habe der DVU angeboten, auf der NPD-Liste in
Brandenburg die Plätze eins und drei zu besetzen. Eine Antwort stehe
noch aus. Am kommenden Wochenende wolle die NPD ihre Landesliste
aufstellen. Die DVU sitzt derzeit mit sechs Abgeordneten im Landtag.
Faust betonte, Brandenburgs DVU habe ihre Liste zur Landtagswahl
bereits vor einigen Monaten gewählt und beim Landeswahlleiter
eingereicht. Eine gemeinsame Liste habe nie zur Debatte gestanden und
sei aus rechtlich-formalen Gründen nicht mehr möglich.
Hintergrund der Entscheidung sind schwere Zerwürfnisse zwischen
den beiden Parteien. Im Beschluss der NPD hagelt es Vorwürfe. So sei
es der DVU trotz guter Ausgangsbedingungen innerhalb von zehn Jahren
nicht gelungen, in Brandenburg «auch nur annähernd flächendeckende
Strukturen aufzubauen oder sich kommunalpolitisch hinreichend zu
verankern». Darum halte der NPD-Bundesvorstand einen Wiedereinzug der
DVU in den Landtag für utopisch. Bei der Europawahl am 7. Juni war
sie in Brandenburg nur auf 1,7 Prozent gekommen, bundesweit gar nur
auf 0,4 Prozent.
Mit der Entscheidung des NPD-Bundesvorstands habe der Deutschland-Pakt «kein Leben mehr», sagte Brandenburgs Verfassungsschutzchefin
Winfriede Schreiber dem «Tagesspiegel». Die NPD demonstriere mit dem
Beschluss, dass sie ihren Führungsanspruch im rechtsextremistischen
Spektrum durchsetzen will. Es sei ein Versuch der durch Finanznöte
und inneren Streit angeschlagenen Partei, Stärke zu demonstrieren.
Die DVU hingegen verliere weiter an Bedeutung.
Experten beurteilen die NPD als Partei, die mit Hilfe von
Kameradschaften und anderen Sympathisanten einen Wahlkampf auf die
Beine stellen kann. Die DVU gilt dagegen als «Phantompartei» ohne
Unterbau. In Brandenburg hat die NPD nach Beiers Angaben knapp 300
Mitglieder, die DVU laut Verfassungsschutz gut 200. Faust wurde im
Januar Nachfolger des langjährigen DVU-Vorsitzenden Gerhard Frey.












































