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Hofkapelle begeistert mit Vertonungen von Psalmen

VON GUDRUN RIEDEL, 28.10.09, 19:20h, aktualisiert 28.10.09, 19:42h
Hofkapelle
Das Eröffnungskonzert des Musikfestivals mit der Wittenberger Hofkapelle fand erstmals in Eisleben statt. (FOTO: MAIK SCHUMANN)
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EISLEBEN/MZ. Nicht alle Tage erlebt man in der Lutherstadt Eisleben an einem authentischen Luther-Ort, der St. Andreaskirche, den Start eines Musikfestivals für das Land Sachsen-Anhalt. Umso größer war die Freude einer interessierten Besucherschar am vergangenen Sonntagabend, als das bisher in der Lutherstadt Wittenberg veranstaltete Eröffnungskonzert des Renaissance-Musikfestivals zum Thema "Musik der Sachsen und Angelsachsen zur Zeit der Reformation" in der Lutherstadt Eisleben stattfand. Noch bis zum kommenden Sonntag gibt es dazu in Wittenberg wissenschaftliche Vorträge, Instrumental- und Vokal-Konzerte sowie eine Ausstellung "Historische Instrumente und Noten aus Renaissance und Spätmittelalter". Anlässlich des Calvin-Gedenkjahres - der Kirchenreformator und Begründer des Calvinismus, Johannes Calvin, wurde vor 500 Jahren geboren - wurde das Thema "Calvin und Luther" als inhaltlicher Schwerpunkt des Festivals gewählt.

Ausgewählte Psalmvertonungen bei Luther und Calvin standen demzufolge auf dem Programm des Konzertes, das von der renommierten und prädestinierten Wittenberger Hofkapelle mit ihren Gesangssolisten aufgeführt wurde. Es war kein Geringerer als der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise (1463-1525), Freund und Gönner Martin Luthers und Förderer der Künste, der an seinem Hof eine Kapelle gründete, die die Musik seiner Zeit pflegen sollte. Ganz in dieser Tradition befindet sich die 2002 vom Lautenisten Thomas Höhne und der Gambistin Gesine Friedrich gegründete Wittenberger Hofkapelle, die sich der Pflege, aber auch der Wiederbelebung der mitteldeutschen Musikpraxis des 16. und 17. Jahrhunderts widmet.

Da diese Musik heutigen Hörern kaum bekannt ist, gab Cordula Timm-Hartmann, Musikwissenschaftlerin am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle, vor dem Konzert eine Einführung zu Psalmvertonungen bei Martin Luther und Johannes Calvin und ihre weitere Entwicklung. Das Buch der Psalmen, legte sie dar, ist nach Martin Luther "eine Kurzform des Christentums". Deutsche Psalmen für das Volk zu schaffen, so führte sie weiter aus, hieß für den Reformator, geistliche Lieder zu schaffen mit einfachen gebräuchlichen Worten und Melodien, die man gut singen kann und deren Singweisen dem Geist der Psalmen entsprechen. Die musikalische Umsetzung ausgewählter Psalmen gelang dem Ensemble in dem hochklassigen Konzert in bestechend brillanter Weise.

Mit Anna Kellnhofer (Sopran), Thomas Riede (Alt), Christoph Burmester (Tenor) und Friedemann Klos (Bass) und den Instrumentalisten Thomas Höhne (Laute), Gesine Friedrich (Gambe), Marcus Höhne (Blockflöte) sowie dem Organisten der Wittenberger Schlosskirche, Thomas Herzer, hatte Ensembleleiter Thomas Höhne musikalisch hoch ausgebildete Sänger und Instrumentalisten an seiner Seite, die mit Leib und Seele und musikalischem Können eine Musikinterpretation boten, die den Geist der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts wiedergab.

Bei den Psalmen 12 ("Ach Gott, vom Himmel sieh herein"), 130 ("Aus tiefer Not schrei ich zu dir") und 104 ("Ich will dem Herren ein Leben lang singen") erwiesen sich die vier Sänger mit ihrem vierstimmigen homogenen Gesang und dem einzigartigen Klang historischer Musikinterpretationen als ein erstklassiges Team, das mit hoher Klangkultur und tiefster Verinnerlichung sein Programm darbot. Organist Thomas Herzer faszinierte das Publikum mit seinem kraft- und gefühlvollen Spiel auf der Rühlmann-Orgel. Johann Sebastian Bachs Orgelchoral, nach dem Psalmlied "An Wasserflüssen Babylons" vertont, wurde mit viel Beifall bedacht, nur noch übertroffen von der freien Bearbeitung des Psalms 46 von Michael Praetorius, der zur "Hymne der Reformation" wurde: "Ein feste Burg ist unser Gott." Hier zog Organist Herzer alle Register seines Könnens. Sein ausdrucksstarkes, schwungvolles und jugendliches Spiel hinterließ bei dem begeistert mitgehenden Publikum die unumstößliche Gewissheit: Gott ist eine feste Burg, die es zu loben gilt. Der Beifall des Konzertes bewies den Veranstaltern, dass es gut gewählt war, das Konzert in Eisleben durchzuführen und damit die beiden Lutherstädte Wittenberg und Eisleben durch die Musik einander zu nähern.

Die Priorin des Klosters St. Marien zu Helfta, Mutter Agnes Fabianek, Gast der Oberbürgermeisterin Jutta Fischer, sprach aus, was viele Besucher empfanden: "Es war ein schönes, festliches Konzert; ein Konzert, das angetan ist, Gott für seine Güte zu loben. Die Künstler waren phantastisch."


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