Medien
«Journalismus braucht ungebetene Kritik»

Genau solche neuen Formen der Kommunikation stellen die Journalisten von heute vor ganz neue Herausforderungen, sagt Eric Markuse, Programmchef von MDR Sputnik. Mit diesen Entwicklungen umzugehen, erfordere einerseits eine bessere Ausbildung der Medienmacher - andererseits aber auch ein höheres Zeitbudget. Und: "Man muss sich darauf einlassen." Das allerdings tun die wenigsten konventionellen Medien, kritisiert Gero Hirschelmann, Redaktionsleiter von mz-web.de, dem Internetauftritt der Mitteldeutschen Zeitung: "Schätzungsweise 80 bis 90 Prozent der Journalisten in den Redaktionen beschäftigen sich nicht mit Online." Für die meisten sei das Thema ein unbequemes, hat auch Thomas Mrazek, Chefredakteur von onlinejournalismus.de, beobachtet. Nicht nur, weil sich damit kein Geld verdienen lasse.
Auch an die neue Rolle des Rezipienten, der heute oft selbst zum Schreiber wird, müssen sich viele Journalisten erst noch gewöhnen. Der Redakteur im Internet muss sich viel intensiver mit seinen Lesern auseinandersetzen als der Redakteur einer Tageszeitung, sagt "Spreeblick"-Blogger Johnny Haeusler. "Es kommt vor, dass ich zwei Stunden an einem Artikel schreibe - und dann zwei Tage brauche, um die Diskussion darüber im Zaum zu halten."
Diese Unmittelbarkeit habe Vorteile: "Man wird sofort korrigiert, wenn man einen Fehler gemacht hat." Auch Mrazek sieht in der "neuen Kontrollinstanz" von Bloggern und anderen Nutzern Chancen: "Der Journalismus braucht diese ungebetene Kritik." Dabei gehe es heute nicht mehr nur ums Recherchieren und Schreiben, sagt Markuse, sondern auch darum, die eigenen Arbeitsweisen offen zu legen. Nicht zuletzt kann sich der Journalist die neue Form der Teilhabe auch zunutze machen, etwa Informationen von Bloggern für eigene Recherchen verwenden.
Und er braucht - so Markuse - die Konkurrenz nicht zu fürchten: Zwar hebe das Internet die Grenzen zwischen Amateuren und Profis unter den Schreibern auf. Wenn bei Twitter jedoch etwa ein Amoklauf gemeldet wird, dann lande der Nutzer schnell auf der Seite eines klassischen Mediums - um die Echtheit der Information zu überprüfen.










