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Boxen

Botha nimmt Carrion sehr ernst

Für den Herausforderer aus Kuba ist der Titelkampf am Sonnabend in der Anhalt-Arena eine unverhoffte Chance

VON FRANK HARNACK, 19.10.09, 19:35h, aktualisiert 19.10.09, 20:50h
WBF-Champion Francois Botha
Gut gelaunt: WBF-Champion Francois Botha während der montäglichen Pressekonferenz. (FOTO: SEBASTIAN)
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DESSAU/MZ. Wer kennt ihn nicht, den Satz von "der Chance meines Lebens". Dem Hollywood-Boxerfilm "Rocky" entstammend, haben ihn schon viele richtige Boxer gern zitiert, wenn wichtige Kämpfe anstanden. Pedro Carrion tat dies am Montag zwar nicht, aber auf den 39-jährigen Kubaner trifft er genauso zu.

Eigentlich nur für das Rahmenprogramm der Profiboxnacht am Sonnabend in der Anhalt-Arena vorgesehen, darf er nun plötzlich um einen WM-Titel kämpfen. Den vergibt zwar der wenig bedeutende Verband WBF, doch immerhin hat Carrion die Möglichkeit, als erster Kubaner einen Schwergewichtstitel zu holen. Für den 2,04 Meter großen und derzeit 118 Kilogramm schweren Hünen eine besondere Motivation, wie sein Trainer Hartmut Schröder am Montag bestätigte.

"Wir sind froh, dass wir dieses Angebot bekommen haben", sagte Schröder während der Pressekonferenz im NH-Hotel, bei der Carrion am Montag erstmals auf seinen Gegner traf. Der ist 16 Zentimeter kleiner, fünf Kilogramm leichter, aber dessen ungeachtet gut gelaunt: Francois Botha fühlt sich seit seiner Ankunft in der Muldestadt pudelwohl.

"Ich hatte ein bisschen mit dem Jetlag zu kämpfen, aber das wird von Tag zu Tag besser", erzählte er. Die Tage bis zum Kampfabend will er nutzen, um fit in den Ring zu klettern. Auf die leichte Schulter nimmt Botha den Kubaner nicht, auch wenn dieser erst mit 34 Jahren in den Profi-Zirkus wechselte und seitdem lediglich neun Kämpfe bestritt. Doch von denen hat er acht gewonnen.

Botha hat Carrion zusammen mit seinem Trainer Warren Hulley und seinem als Betreuer fungierenden Vater Ian Adriaan Botha auf Video genau studiert. "Wir nehmen ihn sogar sehr sehr ernst", verdeutlichte Hulley am Montag. Dem Zufall will das Trio am Sonnabend nicht Tür und Tor öffnen, nur weil es sich nicht ausgiebig vorbereitet hat. Botha darf und will sich nicht überraschen lassen, dafür hat der 41-jährige in seiner Profikarriere nämlich noch viel zu viel vor.

Der Rückkampf gegen Timo Hoffmann aus Polleben, den er im Mai dieses Jahres in Magdeburg besiegte, ist so gut wie sicher. Doch Botha, der "Weiße Büffel", will mehr, nämlich die "zweite Chance seines Lebens", ein erneutes Duell gegen einen der Klitschko-Brüder. 2002 unterlag er in einem Titelkampf Wladimir Klitschko und legte anschließend seine Box-Karriere auf Eis. Drei Jahre lang versuchte er sich als K1-Kämpfer. "Ich war dumm", sagt er heute über seine Zeit bei den K1-Kickboxern, die ihn mit guten Börsen lockten.

Viel Geld verdienen kann Botha vielleicht auch künftig wieder, wenn er die Rückkehr in den Kreis der zehn besten Schwergewichtler schafft. Doch zuvor muss er erst die Hürde Carrion übernehmen. Doch der hat seine eigenen, ganz anderen Pläne. "Ich mache nicht viele Worte. Ich zeige im Ring, was ich drauf habe. Ich komme nach Dessau, um den Titel zu gewinnen", verkündete er. Sein Trainer haute natürlich in die gleiche Kerbe. "Wir wollen den weißen Büffel bei den Hörnern packen." Schröder hat nur gute Erinnerungen an Dessau. "Wir waren schon einmal hier in Dessau - und dabei erfolgreich. Das könnte ein gutes Omen sein", sagte er lächelnd. 2004 besiegte sein Schützling Sebastian Sylvester, heute Weltmeister im Mittelgewicht, den damaligen SES-Boxer Dirk Dzemski.

Dzemski früherer Manager ist heute Bothas Promoter: Ulf Steinforth. Dieser traut Carrion einiges zu ("Er hat eine stattliche Größe") und zollt ihm Respekt für dessen Mut, gegen Botha in den Ring zu steigen. Was aber auch kein Wunder ist. Die "Chance seines Lebens" kommt auch bei einem Boxer nicht tagtäglich.


    
    
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