Handschriften-Detektive auf der Spur von Francke und Co.
Junge Wissenschaftler lernen das Lesen alter Briefe - Auch Forscher aus den USA und Australien sind dabei
VON SILVIA ZÖLLER, 26.08.09, 18:56h, aktualisiert 26.08.09, 23:24h

Archivar Jürgen Gröschel erklärt den jungen Forschern, wie man mit alten Drucken und Handschriften arbeitet. (FOTO: THOMAS MEINICKE)
HALLE/MZ. Ein bisschen leidet er noch unter dem Jetlag, aber Peter J. Yoder ist froh, in Halle zu sein: Der 32-jährige US-Amerikaner ist einer von 19 Teilnehmern des diesjährigen Sommerkurses des Studienzentrums August Hermann Francke, in dem es bis Freitagnachmittag um die Einführung in die Arbeit mit Handschriften und alten Drucken geht. "Im Rahmen meiner Forschungen werde ich auch Handschriften von Francke lesen", erklärt der Doktorand der University of Iowa, warum er sich für das Seminar angemeldet hat.
Als Theologe beschäftigt sich Yoder mit dem Pietismus und ist seit Freitag in Deutschland. In Mainz forscht er die nächsten sechs Monate als Stipendiat: "Ich sehe den deutschen Pietismus als Ursprung der zahlreichen religiösen Bewegungen in den USA", so Yoder. Keine Frage: Nicht nur für den Sommerkurs, auch für den am Sonntag beginnenden Internationalen Pietismus-Kongress in den Stiftungen hat sich der junge Amerikaner gleich mit angemeldet.
Doch bis dahin erwartet ihn zusammen mit den anderen Doktoranden, Bibliothekaren und Volontären unterschiedlicher Einrichtungen aus ganz Deutschland, aber auch aus Indien und Australien ein volles Lernprogramm. Mit Vorträgen und praktischen Übungen beispielsweise anhand des handschriftlichen Lebenslaufs von August Hermann Francke wird ihnen die alte Schrift des 18. und 19. Jahrhunderts nahe gebracht. "Erst die Sütterlinschrift Anfang des 20. Jahrhunderts war normiert", erklärt Britta Klosterberg, Leiterin des Studienzentrums. Davor war die so genannte Kurrentschrift üblich - bei der es aber beispielsweise vier verschiedene Schreibweisen des "F" gibt.
Neben Klosterberg unterrichten vier weitere Bibliothekare und Achivare des Studienzentrums die Nachwuchsforscher. Ziel ist es nicht nur, ihnen Grundlagen zum historischen Quellenstudium zu geben. Vielmehr soll ihnen auch ein Einblick in die weltweiten Beziehungen der Franckeschen Stiftungen durch die unterschiedlichen Briefe gegeben werden. Sogar mit ganz besonderen Quellen duften die Teilnehmer arbeiten: Kürzlich wurden originale Schreibproben aus dem 18. und 19. Jahrhundert von halleschen Waisenkinder gefunden lebten - und zwar in der Marienbibliothek. In den Archiven der Franckeschen Stiftungen gebe es allerdings noch ältere Schülerhandschriften aus dem frühen 18. Jahrhundert, so Klosterberg.
Neben Büffeln kommt auch das Bestaunen nicht zu kurz: Führungen durch das Historische Waisenhaus und die Marienbibliothek genossen die Gäste ebenso. "Die Stiftungen sind sehr schön. Es ist ein guter Platz, um hier zu verweilen", schwärmt Peter J. Yoder von seinem Besuch in der Saalestadt.












































