Erinnern an die Lager vor der Haustür

In den Arbeitslagern in Spergau und später Zöschen mussten Tausende Kriegsgefangene während des Zweiten Weltkrieges schuften, mehr als 500 sind dabei allein in Zöschen umgekommen. Nachdem dort ein Mahnmal für die getöteten Italiener und 2005 ein Gedenkstein für die ermordeten Holländer errichtet wurde, wird seit kurzem mit einem eigenen Gedenkstein auch der ums Leben gekommenen Russen gedacht. Seit dem vergangenen Jahr erinnert auch in Schafstädt ein Gedenkstein an dieses dunkle Kapitel der regionalen Geschichte: Zwischen Schafstädt und Altweidenbach gab es zur NS-Zeit einen Flugplatz und dort mussten rund 200 Gefangene aus Arbeitserziehungslagern unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten und leben. "Dort soll nun ein richtiger Gedenkort entstehen", sagte die Vorsitzende des Zöschener Heimatvereins Edda Schaaf. "Die Jugendlichen, die aus den Niederlanden, der Ukraine oder Polen kommen, werden einen Weg zu den noch erhaltenen Mauerresten des Lagers bauen", erklärt Schaaf. Bei dem Projekt, das am 20. Juli beginnt, gehe es aber um mehr: "Es geht um Toleranz, um Verständigung zwischen Ländern und Kulturen Europas, es geht darum, verantwortungsvoll mit Geschichte umzugehen", sagte Schaaf der MZ.
Das Vorhaben im Saalekreis ist in Sachsen-Anhalt an Umfang und Bedeutung nahezu einzigartig. Landrat Frank Bannert (CDU) hat die Schirmherrschaft übernommen, zahlreiche Stiftungen fördern das Projekt.
"Dieses Workcamp soll zu einer traditionellen Form der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus werden. Die Gesamtverantwortung trägt die Geschichtswerkstatt Merseburg. Das Vorhaben ist jedoch ein gemeinsamer Prozess der beteiligten Partner", so Peter Wetzel, der Leiter der Geschichtswerkstatt. In den letzten Jahren hatte es mit der Unterstützung von Wetzel zahlreiche Projekte gegeben, die sich mit der NS-Zeit in und um Merseburg beschäftigen, oftmals unter Beteiligung hiesiger Schüler und Zeitzeugen aus Osteuropa. So gab es in diesem und im letzten Jahr "Zeitensprünge", bei denen sich Jugendliche mit dem Thema Zwangsarbeit um die Leuna und Buna-Werke in der Zeit von 1939 bis 1945 beschäftigten. Seit fast zehn Jahren kooperieren die Träger der Geschichtswerkstatt, die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben und der Verein Vorruhestand der Chemieregion mit Partnerorganisationen aus Russland, Weißrussland und der Ukraine.
Unter den Teilnehmern des neuen Projektes sind aber nicht nur junge Leute - auch ehemalige Zwangsarbeiter, die bereits seit Jahren Gedenkveranstaltungen in Zöschen besuchen, kommen wieder nach Deutschland.
Mehr Informationen zum Thema finden Sie im Internet.































