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Astronomie

Das Objektiv neben den Socken

Zwei Ascherslebener wollen totale Sonnenfinsternis von chinesischen Küstenstadt Shanghai aus beobachten

VON REGINE LOTZMANN, 09.07.09, 17:13h, aktualisiert 09.07.09, 21:24h
Matthias Reinäcker und Manuela Rockmann
Matthias Reinäcker und Manuela Rockmann wollen gemeinsam nach Shanghai reisen und probieren ihre Beobachtungsgeräte aus. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
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ASCHERSLEBEN/MZ. "Über das Gewicht habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", winkt Matthias Reinäcker ab. Schließlich dürfe jeder 30 Kilogramm mitnehmen. Und das sei bei weitem nicht ausgeschöpft. "Viel wichtiger ist aber das Volumen", zeigt der Chef des Ascherslebener Planetariums auf eine etwa 70 mal 40 mal 30 Zentimeter große Alu-Kiste, in die nicht nur die komplette Beobachtungsausrüstung hineinpassen muss, sondern auch noch die persönlichen Dinge.

"Dann liegt das Objektiv eben zwischen den Strümpfen und ist so wenigstens gut abgepolstert", witzelt Reinäcker, der aber einige T-Shirts im Koffer seiner Reisebegleitung Manuela Rockmann unterbringen darf. Denn der Leiter des Planetariums wird gemeinsam mit der 35-Jährigen, die als Abordnung des Vereins der Ascherslebener Sternfreunde gilt, nach Shanghai fliegen, um dort die diesjährige Sonnenfinsternis zu sehen, die die längste des 21. Jahrhunderts ist.

"Ich bin schon richtig aufgeregt", gesteht die Hobbyastronomin, die im richtigen Leben Beamtin im mittleren Justizdienst ist und schon sehnsüchtig auf das Paket des Reiseunternehmens wartet. "Wir werden nämlich richtig ausgestattet: mit Sonnenfinsternis-Brille, Reiseführer und CD", berichtet sie von der Themenreise, die ganz auf die totale Sonnenfinsternis vom 22. Juli ausgerichtet ist und sogar einen astronomischen Fachbegleiter verspricht.

Den hat sie allerdings auch in Matthias Reinäcker, der schon seit Jahren das Ascherslebener Planetarium leitet und bereits einige Sonnenfinsternisse miterlebt hat. "Die letzte", so der 37-Jährige, für den das ein privatfinanziertes Projekt ist, "2006 in der Türkei." Damals hätte er sich viel mit technischen Dingen beschäftigt und fotografiert und so vom eigentlichen Ereignis nicht viel mitbekommen. "Dieses Mal will ich deshalb mehr Wert auf die Beobachtung legen und das Ganze am Fernrohr genießen", meint der Ascherslebener, der seine Ausrüstung dementsprechend ausgesucht hat.

"Ein Stückwerk aus unterschiedlichen Komponenten und Zeitepochen", stellt er lachend die selbst zusammengebastelten Geräte vor: eins zum Beobachten und natürlich auch eins zum Fotografieren, denn ganz ohne Bilder will er nicht nach Hause kommen. Bei der Optik schwört der Ascherslebener auf alte DDR-Produkte - gekoppelt mit einer modernen Digitalkamera. Manuela Rockmann steuert ein Stativ dazu bei.

Eingebettet ist die Sonnen-Beobachtung übrigens in ein richtiges Kulturprogramm. "Wir werden auch Shanghai besichtigen, es gibt Hafenrundfahrt, Tempelbesuch und Fahrten nach Hangzhou und Suzhou", zählt die Sternfreundin auf. Selbst ein Apothekenmuseum und eine Seidenspinnerei stehen auf der Tagesordnung oder der Besuch des Observatoriums von Sheshan. Die Sonnenfinsternis selbst erleben die beiden Ascherslebener im Wasserdorf Wuzhen, das ein bisschen an Venedig erinnert und durch 100 Brücken verbunden ist.

"Das wird schon lustig", ist sich Manuela Rockmann sicher und freut sich auf die Woche, zu der die beiden am 18. Juli mit einem zehnstündigen Flug von Frankfurt aus aufbrechen werden.

Wenn sie am 25. Juli aus China zurückkommen, sind ihre Mitstreiter sicher sehr gespannt, denn von Deutschland aus ist die totale Sonnenfinsternis nicht zu sehen. "Ich habe uns schon einmal für einen Vortrag im Oktober eingetragen", meint die Sternfreundin deshalb schmunzelnd. Dann können sie und Reinäcker den anderen Sternfreunden und auch der interessierten Öffentlichkeit vom Shanghai-Abenteuer berichten. Unterstützung bekommen sie dabei sicher von einem weiteren Sternfreund, der in ein paar Tagen ebenfalls nach China aufbrechen will, allerdings mit einem anderen Reiseunternehmen.


    
    
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