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Ermittlungen

Angst im Asylbewerberheim

Ungeklärte Verletzung eines Irakers bringt Flüchtlinge in Möhlau auf

VON KATRIN LÖWE, 01.07.09, 22:33h, aktualisiert 02.07.09, 21:22h
Aufgeregt diskutieren Asylbewerber mit der Polizei
Aufgeregt diskutieren Asylbewerber mit der Polizei. Die ungeklärten Verletzungen von Asad H. (Foto rechts) versetzen sie in Angst. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)
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MÖHLAU/MZ. Es wirkt ruhig und einsam da draußen. Ein ehemaliges russisches Kasernengelände, umgeben von Wald und Wiesen, durch eine schmale Straße mit dem mehr als zwei Kilometer entfernten Ort verbunden. Die meisten Gebäude sind nicht bewohnt. In einem Plattenbau sind die 180 Menschen untergebracht, die im Asylbewerberheim in Möhlau (Landkreis Wittenberg) leben. Die Stimmung ist aufgebracht, seit einer ihrer Mitbewohner in der Nacht zum Dienstag mit schweren Verbrennungen im Heim auftauchte.

Wie der 28-jährige Iraker, Vater zweier Töchter im Alter von fünf und sechs Jahren, zu den Verletzungen kam, ist nach wie vor unklar. Der einzige Hinweis bleibt die Aussage der Ehefrau des Opfers. "Die Nazis haben mich fertig gemacht", schildert Vian H., was ihr Mann sagte, bevor Freunde ihn in der Nacht zum Dienstag gegen 2 Uhr ins Krankenhaus fuhren. In einer Spezialklinik wurde er später ins künstliche Koma versetzt. "Wir wissen nicht, wo der Mann sich aufgehalten hat, bevor er nach Hause kam", sagt Polizeisprecher Ralf Moritz. Ein Fährtenhund habe nach wenigen Metern die Spur verloren. Mysteriös: Der Verletzte soll fremde Kleidung getragen haben, als er zurück ins Heim kam. Große Hoffnung setzen die Ermittler darauf, dass der Iraker bald aus dem künstlichen Koma geholt werden kann.

Im Heim herrscht unterdessen Angst. "Wie soll ich noch meine Kinder draußen spielen lassen?", fragt ein Palästinenser. "Die ganze Nacht haben wir nicht geschlafen", sagt die 16-jährige Serbin Miradije. Immer wieder wird erzählt, dass sich jüngst mehrfach Fremde auf dem löchrig umzäunten Gelände versteckt hätten - angeblich sogar mit Benzinkanistern. Die Polizei spricht von einer Anzeige seit Januar. Anfang Mai seien Jugendliche unberechtigt in das Objekt eingedrungen, einer gehörte zum rechten Spektrum, so Sprecher Ralf Moritz. Sie wurden wegen Hausfriedensbruchs angezeigt, von Kanistern wisse er nichts. Als rechter Schwerpunkt ist Möhlau auch der Opferberatung in Dessau nicht bekannt. Vermutlich werde manches aber auch nicht angezeigt, so Sprecher Marco Steckel.

Vorfälle, wie sie Heimbewohner schildern, seien ihm neu, sagt Marcel Wiesemann, der das Heim seit 2006 im Auftrag des Kreises betreibt. Es werde von zwei Wachleuten rund um die Uhr gesichert. "Natürlich wird man jetzt wachsamer", sagt Wiesemann. Mehr Sicherheitspersonal sei aber zunächst nicht geplant. Das Heim selbst werde solide betrieben, betont er.

Nicht wenige Flüchtlinge indes sind unzufrieden. Seit Wochen sammeln sie Unterschriften für einen offenen Brief, in dem sie sich über ihre Lebensumstände beklagen. Manche wohnen schon 15 Jahre in dem Heim. Isoliert statt integriert fühlen sie sich in der ehemaligen Kaserne. Eine kulturelle Anbindung finde nicht statt, klagen auch Opferberater Steckel und Razak Minhel vom Dessauer Multikulturellen Zentrum: "Die Unterbringung kann man dezentral lösen." Der Landkreis lehnt dies ab. Das Heim sei im Ort akzeptiert, sei Anlaufpunkt bei allen Problemen und werde bewacht, so Sprecher Ronald Gauert. Hinweisen aus dem offenen Brief gehe man nach - viele würden allerdings nicht zutreffen.


    
    
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