Sachsen-Anhalt-Tag
SS-Auftritt ruft Staatsschutz auf den Plan
Polizei erstattet Anzeige wegen Verdachts auf Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole
erstellt 19.06.09, 16:07h, aktualisiert 29.06.09, 16:38h
Thale/Magdeburg/dpa. Nach dem Auftritt eines
Traditionsvereins in Uniformen von Waffen-SS und Wehrmacht beim
Sachsen-Anhalt-Tag ermittelt nun der Staatsschutz. Es bestehe der
Verdacht des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole. «Dazu haben
wir von Amts wegen eine Anzeige erstattet», sagte eine
Polizeisprecherin am Freitag in Magdeburg und bestätigte damit einen
Bericht von «Radio SAW». Es gebe Hinweise darauf, dass auf den
Uniformen verfassungsfeindliche Symbole abgeklebt wurde. Wenn dies
zutreffe, würde der Fall aber dennoch der Staatsanwaltschaft
übergeben. «Dann muss die Justiz entscheiden», sagte die
Polizeisprecherin.
Zum Sachsen-Anhalt-Tag in Thale (Landkreis Harz) waren am
vergangenen Wochenende rund 200 000 Menschen gekommen. Beim Festumzug
am Sonntag stellten 4000 Teilnehmer die Geschichte der einzelnen
Regionen des Landes Anhalt dar. Öffentlich bekanntgeworden war der
Auftritt von Männern eines Vereins aus Dessau-Roßlau in Waffen-SS-und
Wehrmachts-Uniformen erst einige Tage danach. «Aus meiner Sicht war
das eine ganz bewusste Provokation», sagte Justizministerin Angela
Kolb (SPD) am Freitag der dpa.
Linke-Fraktionschef Wulf Gallert bezeichnete die Aktion als
«Skandal». «Das ist ein eindeutiges Versagen der Organisatoren»,
sagte er der «Mitteldeutschen Zeitung» (Freitag). Innenminister
Holger Hövelmann (SPD) sprach von einem geschmacklosen Auftritt, der
von dem Verein für Militärgeschichte organisiert worden war. Die
Organisatoren des Landestages zeigten sich ebenfalls entsetzt und
bestürzt. Das Organisationskomitee habe nichts von diesem Auftritt
gewusst, sagte Sprecher Frank Hirschelmann. Die Organisation des
Umzuges sei vor allem von 1-Euro-Jobbern übernommen worden. Eine
komplette Kontrolle der Teilnehmer sei daher nicht zu leisten
gewesen.
Der Vorsitzende des in die Kritik geratenen Fördervereins für das
Militärhistorische Museum Anhalt in Dessau-Roßlau, Rainer Augustin,
erklärte: «Wir wollten das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945
illustrieren». In seinem Brief an den Oberbürgermeister der Stadt,
Klemens Koschig (parteilos) heißt es weiter: «Wir bedauern, dass
unser Beitrag missverstanden wurde. Wir wollten niemanden provozieren
oder verletzen. Dabei räumen wir ein, dass es unserem Beitrag an der
gebotenen Sorgfalt mangelte und entschuldigen uns ausdrücklich
dafür.» Koschig mahnte unterdessen einen sensibleren Umgang mit der
Darstellung geschichtlicher Ereignisse an.













































