Sachsen-Anhalt-Tag
SS-Auftritt erhitzt Gemüter
Dessau-Roßlau distanziert sich von Verein - Oberbürgermeister ist dort aber selbst Mitglied - Die Linke wirft Staatskanzlei Versagen vor
VON ALEXANDER SCHIERHOLZ und CHRISTIAN SCHAFMEISTER, 18.06.09, 21:25h, aktualisiert 19.06.09, 16:12h
THALE/DESSAU/MZ. Die Stadt Dessau-Roßlau
hat sich von dem Verein distanziert, der beim
Landesfest in Uniformen von Wehrmacht und
Waffen-SS durch Thale (Harz) marschiert ist.
Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos)
mahnte "einen sensibleren Umgang mit der Darstellung
geschichtlicher Ereignisse" an. Das Kulturamt
der Stadt hatte den Verein selbst zum Sachsen-Anhalt-Tag
angemeldet. Eine Sprecherin bestätigte, dass
auch der Oberbürgermeister dem Verein angehört.
Dessen Vorsitzender Rainer Augustin entschuldigte
sich für den Auftritt in Thale und räumte
ein, dass es dort "an der gebotenen Sorgfalt
mangelte".
Bei Landespolitikern wächst derweil die Kritik
an den örtlichen Organisatoren und der Landesregierung.
Linken-Fraktionschef Wulf Gallert nannte den
Auftritt des Vereins einen "Skandal". "Das
ist ein eindeutiges Versagen der Organisatoren."
Dazu zählte Gallert ausdrücklich auch die
Staatskanzlei als Veranstalter des Festes.
Wie Gallert forderte auch FDP-Fraktionschef
Veit Wolpert schärfere Kontrollen und mehr
Sensibilität: "Wenn man es mit einem militärhistorischen
Verein zu tun hat, muss man fragen, was der
vorhat."
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) wies
die Vorwürfe zurück. "Für ihren Auftritt im
Festumzug zeichnen die jeweiligen Landkreise
beziehungsweise die kreisfreien Städte verantwortlich",
sagte er. Zu den Uniformen selbst sagte Regierungssprecherin
Monika Zimmermann, sie sehe darin kein Problem.
"Das ist ein historisches Bild gewesen." Innenminister
Holger Hövelmann (SPD) nannte eine solche
Traditionspflege dagegen geschmacklos: "Mit
derartiger Scheinobjektivität ist die Aufklärung
über die Schrecken von Krieg und Völkermord
sicher nicht möglich." Die SPD-Fraktionsvorsitzende
Katrin Budde kritisierte, es werde "ein falscher
Anschein von Normalität erweckt".
Kritik an dem Vereins-Auftritt in Thale übte
auch das Militärgeschichtliche Forschungsamt
Potsdam. Bei der Waffen-SS habe es sich um
eine "verbrecherische Organisation" gehandelt,
sagte Professor Rolf-Dieter Müller. Deren
Uniformen während eines Landesfestes zur Schau
zur stellen, sei "bedenklich und überflüssig".
Der Argumentation des Vereines, es handele
sich dabei um die Darstellung des Kriegsendes
in der Region, sah Müller kritisch. "Dann
hätten die Angehörigen von Wehrmacht und SS
nicht in Siegerposen herumlaufen dürfen."
Wenn die Organisatoren bei den Akteuren unsicher
gewesen wären, hätten sie diesen Teil nicht
in den Festumzug integrieren sollen.













































