Sachsen-Anhalt
NPD-Basis wird schwächer
Die rechtsextreme Partei verliert Mitglieder - Gewaltpotential im Land bleibt aber hoch
VON ALEXANDER SCHIERHOLZ, 17.06.09, 12:07h, aktualisiert 17.06.09, 21:43h

Laut Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Rechtsextremen im Land leicht zurückgegangen. (FOTO: DPA)
MAGDEBURG/MZ. Die Basis der rechtsextremen
NPD in Sachsen-Anhalt wird schwächer. Seit
Jahresbeginn habe die Partei 30 bis 40 Mitglieder
verloren, sagte Verfassungsschutzchef Volker
Limburg am Mittwoch am Rande der Vorstellung des
Verfassungsschutzberichtes 2008 in Magdeburg.
Bisher stagnierte die NPD seit Jahren bei
250 Mitgliedern.
Als Gründe nannte Limburg anhaltende Querelen
im Landesvorstand nach einem internen Richtungsstreit
im vorigen Jahr sowie die anhaltende Radikalisierung
der Partei. Die für einen radikalen Kurs stehende
Partei-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten
(JN) bekomme zunehmend Einfluss auf die Programmatik,
sagte Limburg. "Das schreckt Altvordere ab."
Innenminister Holger Hövelmann (SPD) sagte,
über die JN drängten immer mehr Neonazis in
die Vorstände von Kreis- und Ortsgruppen der
NPD. "Die JN ist das Scharnier." Ihre 50 Mitglieder
in Sachsen-Anhalt sind laut Verfassungsschutz
fast ausnahmslos Neonazis - also Rechtsextremisten,
die sich in ihrer Gesinnung auf die Ideologie
des Nationalsozialismus der 1930er Jahre berufen.
Zugleich seien die JN bemüht, die "Intellektualisierung"
der rechten Szene voranzutreiben, "weg vom
Dummkopf-Image", warnte Hövelmann.
Nach wie vor hoch ist das Gewaltpotential
im rechten Spektrum. Der Verfassungsschutz
ordnet 800 Rechte im Land der gewaltbereiten,
subkulturellen Szene zu, 240 Personen der
vorwiegend in Kameradschaften organisierten
Neonazi-Szene. Insgesamt ist die Zahl der
Rechtsextremisten dem Bericht zufolge gegenüber
2007 aber leicht gesunken, von 1460 auf 1350.
Hövelmann sah trotzdem keinen Anlass zur Entwarnung:
"Die Demokratie in Sachsen-Anhalt ist gefestigt,
aber sie wird von ihren Gegnern aktiv in Frage
gestellt und bedroht", sagte der Minister.
Erst im März hatte er Zahlen vorgelegt, wonach
die Zahl rechter Gewalttaten von 2007 zu 2008
um 22 Prozent gestiegen war.
Als "besorgniserregend" bezeichnete Hövelmann
die Zunahme der Gewalt zwischen rechten und
linken Gruppierungen vor allem in Magdeburg
und Dessau. Es gebe zielgerichtete Angriffe
von beiden Seiten, so etwa auf ein linksalternatives
Dessauer Jugendzentrum, aber auch auf Wohnungen
und Autos stadtbekannter Rechtsextremisten.



































