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Sachsen-Anhalt

Polizei prüft Vorwürfe nach «Hetzjagd» in Dessau

20-Jähriger erhebt schwere Vorwürfe gegen die angeblich schleppenden Ermittlungen

erstellt 10.04.09, 13:59h, aktualisiert 10.04.09, 18:24h
Dessau/dpa. Die Polizei in Dessau untersucht einen Zwischenfall, bei dem mehrere junge Leute einen in der linken Szene bekannten Mann durch eine Einkaufspassage gejagt haben. Das Opfer, ein 20-Jähriger, erhebt schwere Vorwürfe gegen die seiner nach schleppenden Ermittlungen der Polizei. Der 20-Jährige, der am 3. April von Jugendlichen im Dessauer Zentrum angegriffen worden war, habe eine «Dienstaufsichtsbeschwerde» gegen eine Beamtin beantragt, berichtete das Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus am Donnerstag. Polizeisprecher Ralf Moritz wies die Vorwürfe zurück, bestätigte aber eine Prüfung der Falls.

«Der Tatverlauf an sich ist authentisch und mir bekannt», sagte Moritz am Freitag der dpa. Die Anschuldigungen gegen seine Kollegin seien jedoch «eine persönliche Sichtweise der Opfer auf die Dinge». Von einer formellen Dienstaufsichtsbeschwerde wegen möglicher Strafvereitelung im Amt könne bislang nicht die Rede sein. «Wir haben nichts zu verheimlichen und untersuchen das jetzt detailliert.» Die Ermittler hätten bereits weitere Vernehmungen in die Wege geleitet.

Am Freitag vergangener Woche hatten die Mitglieder einer 8- bis 10-köpfigen Gruppe den Mann durch das Zentrum gejagt. Unter den Augen zahlreicher Passanten sollen die Täter ihn zudem geschlagen und getreten sowie mit Ausrufen wie «Scheiß Antifa!» angefeindet haben. Dabei war auch ein 28 Jahre alter Bekannter des Mannes, der dem Opfer helfen wollte, ins Visier der Gruppe geraten.

Moritz betonte, dass der Staatsschutz nach der Attacke wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer Sachbeschädigung ermittle. Ob es zutreffe, dass die Polizistin einem späteren Hinweis des 20-Jährigen auf zwei mutmaßliche Täter nicht entschlossen nachging, müsse aber noch geklärt werden. «Dazu können wir erst kommende Woche Konkretes sagen.» Der Sprecher des Mobilen Beratungsteams, Mario Bialek, ging dagegen davon aus, dass die zuständige Beamtin zu nachlässig handelte.


    
    
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