Sachsen-Anhalt-Tag
Koschig hält zu Militärverein
Dessauer OB will erst austreten, wenn SS-Auftritt ohne Konsequenzen bleibt
VON ALEXANDER SCHIERHOLZ, 23.06.09, 20:47h, aktualisiert 23.06.09, 20:53h

In Wehrmachts- und SS-Uniformen: der Verein in Thale (FOTO: ARCHIV/WOHLFELD)
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Rainer Augustin muss passen: "Daran kann ich mich jetzt nicht erinnern", sagt der Vorsitzende des Fördervereins für das Militärhistorische Museum Anhalt auf die Frage nach einem Auftritt seines Vereins vor drei Jahren in Dessau-Kochstedt. Klemens Koschig hat ein besseres Gedächtnis: Der Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau weiß noch genau, dass der Verein am Festumzug zum 300-jährigen Bestehen Kochstedts am ersten September-Wochenende 2006 teilnahm. Was ihm in Erinnerung blieb: Ein Besucher wies ihn darauf hin, dass eines der Vereinsmitglieder eine SS-Uniform trug.
Koschig, damals noch Bürgermeister in Roßlau - von dort kommt auch der Verein -, will Augustin seinerzeit in Kochstedt zur Rede gestellt haben: "Was soll der Blödsinn?" Augustin, so der OB am Dienstag, habe "Besserung gelobt". Er, Koschig, sei davon ausgegangen, dass die Angelegenheit damit erledigt sei, habe aber auch nicht mehr nachgehakt. "Ich habe schließlich jeden Tag 1 000 andere Probleme auf dem Tisch." Und, so Koschig: "Seitdem habe ich nie wieder von ähnlichen Vorfällen gehört."
Möglichkeit zum "Geraderücken"
Bis zum 14. Juni, an dem Mitglieder des Vereins in Wehrmachts- und SS-Uniformen im Festumzug zum Sachsen-Anhalt-Tag in Thale (Harz) mitmarschierten. Einige Tage später distanzierte sich Koschig von dem Auftritt. Dennoch will er vorerst Mitglied des Vereins bleiben. Der müsse die Möglichkeit bekommen, "das geradezurücken". "Erst wenn sich herausstellen sollte, dass der Verein nicht die richtigen Konsequenzen zieht, werde ich austreten."
Was die richtigen Konsequenzen wären? Der Verein, sagt der OB, müsse sich öffentlich klar von Auftritten wie dem in Thale distanzieren und "glaubhaft machen, dass so etwas nicht mehr passiert". Und, sagt Koschig, "eigentlich müsste Herr Augustin zurücktreten". Der Vereinschef will das nicht ausschließen, aber zunächst eine außerordentliche Mitgliederversammlung abwarten, die in dieser oder in der nächsten Woche stattfinden soll. Koschig legt dem Verein zudem nahe, auf öffentliche Auftritte vorerst zu verzichten. Augustin nennt das "eine Option", es sei aber noch nichts entschieden.
Ohne SS-Uniformen
Derweil ist für die Teilnahme des Vereins am Leopoldsfest am ersten Juli-Wochenende in Dessau schon alles vorbereitet. Es geht um den 200. Todestag des Napoleon-Gegners Ferdinand von Schill. Ganz ohne SS-Uniformen.












































