Verharmlosung des Nationalsozialismus
Hingucken? Fehlanzeige
VON Alexander Schierholz, 18.06.09, 19:24h, aktualisiert 18.06.09, 19:29h
Halle/MZ. Weltoffenes und tolerantes Sachsen-Anhalt? Aber ja! Sachsen-Anhalt ist so tolerant, dass dort sogar Militärfans in Uniformen von Wehrmacht und Waffen-SS über das Landesfest marschieren dürfen. So am vorigen Wochenende in Thale. Ach so, die SS-Runen waren abgeklebt. Na, dann ist ja alles in Ordnung!
Sachsen-Anhalt ist auch das Land, das gemessen an der Einwohnerzahl bundesweit den traurigen Spitzenplatz bei rechtsextremer Gewalt einnimmt. Überfälle, die nicht selten von Tätern begangen werden, deren Gesinnung auf der nationalsozialistischen Ideologie basiert. Täter, die Wehrmacht und SS verherrlichen.
Gibt es da einen Zusammenhang? Leider ja. Nur scheint der vielen Leuten bisher nicht aufgefallen zu sein. Sie fanden, das ist erschreckend, die Vorgänge von Thale zunächst offenbar ganz normal - die Veranstalter, die den Verein aus Dessau-Roßlau zugelassen haben. Der dortige Oberbürgermeister, der sich fragen lassen muss, ob er nicht weiß, was sein eigener Verein tut. Und viele Festbesucher.
Das heißt nun nicht, dass die Dessauer Armeefreunde Neonazis wären. Dafür gibt es keine Belege, man muss ihnen noch nicht einmal Lust an der Provokation unterstellen. Schlichte Gedankenlosigkeit ist schlimm genug. Auftritte wie der in Thale sind dumm und verharmlosend, erst recht in einem Land, das solche massiven Probleme mit Rechtsextremismus hat. Und wie glaubwürdig ist eigentlich eine Landesregierung, die Zivilcourage und Engagement der Zivilgesellschaft gegen Rechts einfordert, aber in der Bewertung solcher Aufzüge seltsam unentschieden bleibt? "Hingucken" - so heißt die Landeskampagne gegen Rechts - ist in Thale versäumt worden.
Rätselhaft bleibt derweil, welches Geschichtsbild da eigentlich vermittelt werden soll. Dabei sollte klar sein: Der Nationalsozialismus eignet sich nicht für Folklore. Es spricht nichts dagegen, Militärgeschichte darzustellen, dabei darf auch das Dritte Reich nicht ausgespart werden. Aber bitte im Museum, wo Vorgänge eingeordnet und historische Zusammenhänge hergestellt werden können. Ein Volksfest ist dafür der falsche Ort.
Kontakt zum Autor: Alexander Schierholz



































