Stolpersteine erinnern an den letzten jüdischen Kantor
Gedenken an das 1942 im KZ Sobibor ermordete Ehepaar Gustav und Hedwig Mosbach
VON JÖRG MÜLLER, 10.06.09, 18:02h, aktualisiert 10.06.09, 20:11h

Giora und Hanna Hirsch und Lore und Noemi Brieger (von links) sind zur Verlegung der Stolpersteine nach Eisleben gekommen. (FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK)
EISLEBEN/MZ. Vor der ehemaligen Eisleber Synagoge in der Lutherstraße 25 sind am Mittwoch zwei Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an den letzten Kantor und Religionslehrer der Jüdischen Gemeinde Eisleben, Gustav Mosbach, und seine Frau Hedwig. Das Ehepaar, das im Erdgeschoss der Synagoge gewohnt hatte, wurde 1942 von den Nazis im Konzentrationslager Sobibor ermordet.
Anwesend bei der Verlegung der Stolpersteine am Mittwoch waren zwei besondere Gäste: Hanna Hirsch (70) und Lore Brieger (80), die Enkeltöchter der Mosbachs. Die beiden Frauen, die heute in Israel beziehungsweise Argentinien leben, besuchen auf Einladung des Fördervereins Eisleber Synagoge derzeit die Lutherstadt. "Wir sind sehr gerührt und danken Ihnen für Ihr Kommen", sagte Lore Brieger. "Mögen die Stolpersteine ein Mahnmal sein, dass so etwas nie wieder geschieht."
Zuvor hatte es noch zu eine überraschende Begegnung gegeben. Charlotte Bachmann, die damals schräg gegenüber der Synagoge wohnte (das Haus steht nicht mehr) und bis heute in Eisleben lebt, begrüßte Lore Brieger herzlich und mit einem Blumenstrauß in der Hand. "Wir haben als Kinder zusammen gespielt und sind auch
oft auf der Landwehr spazieren gegangen", erzählte Frau Bachmann. "Es ist das erste Mal seit damals, dass wir uns wiedersehen."
Der 1877 geborene Gustav Mosbach war um 1925 mit seiner Frau Hedwig und der Tochter Charlotte nach Eisleben gekommen, wo er als Lehrer und Kantor der Jüdischen Gemeinde wirkte. Die Familie wohnte im Erdgeschoss der Synagoge. "Ich kann mich zum Beispiel noch an den Hof erinnern", sagte Hanna Hirsch. Ihre Halbschwester Lore Brieger sieht noch bis heute vor sich, wie zur Pogromnacht am 9. November 1938 "eine Horde Menschen" in die Synagoge eingedrungen sei. Die Nazis demolierten die Einrichtung, Gustav Mosbach kam für einige Monate ins KZ Buchenwald. "Das alles kann man sich heute nicht mehr vorstellen", so Frau Brieger. 1941 schaffte es ihre Mutter, mit den beiden Töchtern mit dem letzten Schiff nach Südamerika auszureisen. Gustav und Hedwig Mosbach dagegen mussten zunächst in das so genannte Judenhaus in der Rammtorstraße und dann nach Halle ziehen. Am 1. Juni 1942 wurden sie nach Sobibor deportiert und umgebracht. Zum Gedenken sprach Giora Hirsch, der Sohn Hanna Hirschs, ein jüdisches Gebet, das Kaddisch.
Sebastian Funk vom Synagogen-Förderverein, der von dem Ereignis sichtlich bewegt war, dankte den beiden Sponsoren der Stolpersteine, den Eisleber Pfarrern Hauke Meinhold und Dieter Tautz. "Sie haben gesagt, dass sie das gern übernähmen, schließlich sei Gustav Mosbach ja ein Kollege gewesen." Bei der technischen Abwicklung habe die Stadt wertvolle Hilfe geleistet.












































