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Bewährung nach Anschlag

Weil polnische Erntehelfer mitten in der Nacht eine Einladung zum Biertrinken ausschlugen, wollten vier junge Männer Feuer legen

VON GERT GLOWINSKI, 20.05.09, 21:18h, aktualisiert 20.05.09, 22:02h
Angeklagte
Die vier Angeklagten mit ihren Verteidigern. (FOTO: MZ)
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MERSEBURG/MZ. Der kleine Ort Lodersleben hatte im vergangenen Jahr traurige Berühmtheit erlangt: Bilder von der rußgeschwärzten Fassade des Hauses, in dem sechs polnische Erntehelfer wohnten, gingen durch die Medien. Vier junge Männer hatten im April 2008 versucht, die Unterkunft anzuzünden. Mehr als ein Jahr später saßen sie Mittwoch auf der Anklagebank und wurden vom Amtsgericht Merseburg zu Bewährungsstrafen verurteilt - wegen versuchter schwerer Brandstiftung.

Tage vor dem Anschlag hatten die Männer - damals im Alter von 17 und 19 Jahren - noch Fußball mit den Polen gespielt und Bier getrunken. In der Nacht vom 26. auf den 27. April zogen sie zunächst mit Bierflaschen zu dem Haus, in dem die Polen wohnten. Als die Erntehelfer - verschreckt durch die nächtliche Störung - mit der Polizei drohten, liefen die Männer wieder zurück zu dem Partykeller, in dem sie bisher den Abend verbracht hatten.

Musik von verbotenen rechtsradikalen Gruppen wie Landser oder Sturmwehr lag oft im CD-Player, wenn dort gefeiert wurde. Auch an diesem Abend, wurde während der Gerichtsverhandlung gegen die vier Mittwoch bekannt. Sogar Schießübungen mit einem Luftgewehr gehörten zu ihrer abendlichen Freizeitbeschäftigung, gab einer der Angeklagten zu Protokoll. Dass die Polen die Einladung zum gemeinsamen Biertrinken ablehnten, brachte einige der Männer in Rage. Rufe wie "Scheiß-Polen" oder "Sieg-Heil" fielen offenbar. Eine Bierflasche, Verdünnung und ein Taschentuch verwandelten mindestens zwei der Angeklagten in einen gefährlichen Molotow-Cocktail. Einer bewaffnete sich noch mit einer langen Eisenstange, danach machte man sich erneut auf den Weg zu dem Haus der Polen.

Die Erntehelfer waren - alarmiert durch den ersten Besuch - offenbar auf das Schlimmste vorbereitet und konnten das Feuer löschen, das die jungen Männer im Erdgeschoss gelegt hatten. "Trotzdem hatten die Polen Todesangst", sagte Mittwoch Staatsanwalt Hendrik Weber. Die Brandstifter hatten sich unterdessen wieder auf den Rückweg gemacht - als die Sirene der Feuerwehr ertönte, rückte mindestens einer von ihnen sogar zur Brandbekämpfung aus. Wenig später kam die Polizei und nahm alle mit - zwei Monate saßen die Männer in U-Haft.

Der Schock bei den Polen, aber auch bei vielen Einwohnern Loderslebens saß tief. Politiker und Kirchenvertreter bemühten sich um die Erntehelfer, man bat sie um Verzeihung. Das machten auch die Täter - in Briefen und Mittwoch vor Gericht. Von Fremdenhass wollten sie nichts wissen. Auch die Jugendgerichtshilfe bescheinigte den vier Angeklagten, dass keiner von ihnen zur rechten Szene gehört. Vielmehr fiel das Wort "Gruppendynamik" Mittwoch im Gerichtssaal gleich mehrfach als Begründung für die Tat.

Loderslebens Bürgermeister Horst Fabich (FDP) ist genau darüber sehr froh. Trotz der beschlagnahmten rechtsradikalen CDs, trotz Schmäh-Rufen gegenüber den Polen sieht er keinen rechten Hintergrund für die Tat in seinem Ort. "Ich bin froh, dass das jetzt vorbei ist", sagte er Mittwoch beim Verlassen des Gerichtssaales. Etwas anders interpretiert Sebastian Striegel vom Verein "Miteinander" das Urteil. Auch Striegel hatte den Prozess verfolgt. "Es gab natürlich einen fremdenfeindlichen Hintergrund bei den Tätern, auch wenn es möglicherweise für den Anschlag selbst andere Beweggründe gab", so Striegel. Die Gefahren, die beispielsweise von rechtsextremer Musik ausgehen, sieht Striegel auch in diesem Fall bestätigt.


    
    
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