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Merseburg

Bewährungsstrafen nach Anschlag auf Erntehelfer

Männer aus Lodersleben wollten Unterkunft in Brand setzen

VON GERT GLOWINSKI, 20.05.09, 21:01h, aktualisiert 20.05.09, 23:03h
Erntehelfer-Unterkunft in Lodersleben
Auf die Erntehelfer-Unterkunft in Lodersleben war ein Brandanschlag verübt worden. (Foto: MZ)
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MERSEBURG/MZ. Vier junge Männer sind am Mittwoch vom Amtsgericht Merseburg zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, weil sie versucht hatten, eine Unterkunft polnischer Erntehelfer in Lodersleben (Saalekreis) in Brand zu stecken.

Fall sorgte für Aufsehen

Der Fall hatte im April vergangenen Jahres bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil Ausländerfeindlichkeit als Tatmotiv angenommen worden war.

"Es gab zwar Ressentiments gegenüber Ausländern, das war aber nicht der Grund für die Tat", sagte Staatsanwalt Hendrik Weber. Die am Mittwoch Verurteilten hatten vielmehr angegeben, aus Verärgerung darüber gehandelt zu haben, dass die sechs Polen zu später Stunde eine Einladung zum Biertrinken ausschlugen. Dem folgte das Gericht: In der Urteilsbegründung war von Fremdenfeindlichkeit keine Rede.

Die Männer, zwei von ihnen waren zur Tatzeit 17 Jahre alt, hatten in einem "Partykeller" im Querfurter Ortsteil Lodersleben einen Molotow-Cocktail gebastelt. Dort wurde unter anderem auch Musik von verbotenen rechtsradikalen Bands gespielt, sogar Sieg-Heil-Rufe sollen zu hören gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte später zudem die sogenannte "Schulhof-CD" der rechtsextremen NPD sichergestellt.

Der Brandsatz wurde im Innern des Hauses deponiert, in dem die Polen untergebracht waren. Sie waren zur Hopfenernte nach Querfurt gekommen, schon jahrelang. Als der Molotow-Cocktail in ihrem Haus nicht zündete, kletterte einer der vermummten Männer nochmals durch ein Fenster in das Haus, verschüttete die brennbare Flüssigkeit und zündete sie an. Ein Bett fing Feuer, der Brand konnte jedoch von den Erntehelfern rasch gelöscht werden, so dass niemand zu Schaden kam.

Jugendstrafen verhängt

Die Erntehelfer hatten wenige Tage nach dem Anschlag Deutschland verlassen und sind seitdem auch nicht hierher zurückgekehrt. Ein Vertreter der polnischen Botschaft hatte den Prozess in Merseburg am Mittwoch aber verfolgt. Der endete mit Jugendstrafen: ein Jahr und sechs Monate beziehungsweise ein Jahr und neun Monate, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Zudem verhängte das Gericht Arbeitsauflagen.


    
    
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