Neuer Titel ist mehr als nur ein Schild an der Wand
Sekundarschüler belegen mit vielgestaltigem Programm Annäherung ans Thema Gewalt und Rassismus
VON KLAUS ADAM, 20.05.09, 20:33h, aktualisiert 20.05.09, 22:17h

Cornelia Habisch überreicht Schülern und Schulleiter Thomas Felber (Mitte) das Schild, das deutlich macht, welcher Wind in der Einrichtung weht. Die Paten Christian Beuchel und Jürgen Dannenberg (r.) gratulieren. (FOTO: TH. CHRISTEL)
JESSEN/MZ. "Es ist keineswegs so, dass Gewalt an unserer Schule gar keine Rolle spielen würde", bekennt Ursula Nachtigall. Aber die Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus, Gewalt, Intoleranz trage auf alle Fälle dazu bei, dass die Rate an derartigen Problemen relativ gering ist, ergänzt die Lehrerin der Sekundarschule Jessen Nord. Und dafür tut die Schule einiges. Was ihr am Dienstagabend den Titel einbrachte: "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Als erster Bildungseinrichtung im Kreis Wittenberg übrigens, was bei der Benefizveranstaltung im Jessener "Schützenhaus" ganz groß gewürdigt wurde.
"Gewalt spielt sich irgendwo da draußen ab. Schau nicht weg, wenn sie dir begegnet. Sei mutig und handle!" Was bei solcherart Zwischenmoderationen im Programm etwas didaktisch anmutete, wurde durch Theaterszenen, sogar einen Filmeinspieler, Lieder und Gedichte auf eine emotionale Ebene gehoben. In dem Stück "Der rote Handschuh" (wobei die Farbe eher nebensächlich ist) schickt die Theatergruppe ein Mädchen auf den Weg, die Besitzerin ebendieses Bekleidungsstücks zu finden, das ihm gerade vor den Füßen lag. Bis es aber soweit ist, muss es Ignoranz, Pöbeleien, ja sogar Schläge einstecken, um dennoch die Verliererin des Utensils wieder glücklich zu machen. So ließen sich beinahe alle Facetten der Thematik nacherleben. Musik gehört zu einem solchen Abend. Die Schüler nahmen dazu Anleihen bei den ganz Großen: Pete Seeger, Bob Dylan, Klaus Renft, Wolf Biermann bis hin zum Song "Neue Brücken" von Pur als Abschlusslied.
Für Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) als Paten des Projektes verbindet sich mit der Anerkennung durch das Netzwerk Demokratie und Toleranz die Hoffnung, dass der Funke dieses Projektes auch auf andere Schulen der Stadt und des gesamten Kreises überspringen möge. Der evangelische Superintendent Christian Beuchel, der zweite Pate, drückte es bildhaft mit einer wahren Begebenheit aus: "Ich hatte vor einigen Jahren mal einen Konfirmanden, der fiel durch ausländerfeindliche Sätze auf, so dass ich schon überlegte, ihm die Konfirmation zu verwehren. Ein paar Jahre später war er verschwunden, tourte durch Südeuropa. Er schlug sich durch, arbeitete mal als Tagelöhner, bekam von armen Bauern in Griechenland, die selbst nicht viel hatten, zu essen. Und als er wieder hier war, waren seine Sprüche von damals vergessen. Er hatte die Menschen kennen gelernt."
"Heute fahrt ihr die Ernte ein für viel Nachdenken und für viel Einsatz", wertschätzte Cornelia Habisch von der Landeszentrale für politische Bildung. Der Titel, den sie der Schule dafür überreichte, "ist mehr, als ein Schild an der Wand. Das Projekt wird euch weiter beschäftigen." Der Benefizabend brachte der Schule immerhin 368 Euro ein. Ein großer Teil davon wird in die Einrichtung eines Anti-Aggressions-Raumes fließen, informierte Ursula Nachtigall, die das Projekt an der Schule koordiniert. Mit dem anderen Anteil soll eine Art Opferfonds eingerichtet werden, für den auch ein gesonderter Vergabe-Beirat ins Leben gerufen wird.





































