Merseburger Amtsgericht
Prozess nach Brandanschlag beginnt
Vier Männer stehen wegen eines Überfalls auf polnische Erntehelfer vor Gericht
VON GERT GLOWINSKI, 15.04.09, 21:16h, aktualisiert 15.04.09, 21:27h

Brandspuren am Gebäude der Agrargenossenschaft Querfurt/Betriebsteil Lodersleben in Lodersleben, auf das am Samstag (26.04.2008) ein Brandanschlag mit vermutlich ausländerfeindlichem Hintergrund verübt wurde. (FOTO: DPA)
MERSEBURG/MZ. Mehr als ein Jahr nach dem Anschlag auf die Unterkunft polnischer Erntehelfer in Lodersleben bei Querfurt (Saalekreis) beginnt Ende Mai der Prozess gegen die mutmaßlichen Brandstifter. Angeklagt sind vier junge Männer, die am 26. April vergangenen Jahres einen Molotow-Cocktail in ein Haus geworfen haben sollen.
Den vier Männern wird versuchte schwere Brandstiftung vorgeworfen. Der Molotow-Cocktail war offenbar nach dem Wurf ins Erdgeschoss des Hauses von selbst verloschen und konnte so keinen größeren Schaden anrichten. Verletzt wurde damals niemand, die Tat sorgte jedoch bundesweit für Aufsehen. Der Verhandlungstermin am Merseburger Amtsgericht hatte
sich unter anderem verzögert, weil erst im November 2008 ein psychiatrisches Gutachten zu einem der Angeklagten in Auftrag gegeben worden war - fünf Monate nach Anklageerhebung. Die Polizei hatte nach der Tat Wohnungen in Lodersleben durchsucht und nach Gerichtsangaben CDs und Kleidung beschlagnahmt. Dabei soll es sich unter anderem um Musik handeln, die in der rechten Szene beliebt ist.
"Ob für die Tat auch ein rechtsextremer Hintergrund bestand, wird vor Gericht geklärt", sagte Gerichtsdirektor Peter Mertens. Für Irritationen hatte im vergangenen Jahr die Aussage eines Richters gesorgt, der einen politischen Hintergrund für die Tat ausgeschlossen hatte. Unter anderem die Arbeitsstelle Rechtsextremismus beim Verein "Miteinander" hatte dem widersprochen.
Zunächst sei die in vier Wochen anberaumte Amtsgerichts-Verhandlung gegen die heute 18 bis 22 Jahre alten Tatverdächtigen öffentlich. Es gebe aber Anträge der Verteidiger, den Prozess hinter verschlossenen Türen zu führen, so der Gerichtssprecher. Zum Tatzeitpunkt waren zwei der vier Angeklagten noch minderjährig.
Die Stadt Querfurt, Kirche, Politiker und Vertreter der Agrargenossenschaft hatten sich nach dem Anschlag um die Erntehelfer gekümmert und sich für den Überfall entschuldigt. Zur Apfelernte im September vergangenen Jahres waren die Polen jedoch nicht mehr nach Deutschland gekommen.



































