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Folgen des Verbots

«Da bricht ein Teil der Struktur weg»

erstellt 31.03.09, 22:07h, aktualisiert 31.03.09, 22:22h
David Begrich
David Begrich, Experte bei der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Vereins «Miteinander» in Magdeburg. (FOTO: ARCHIV)
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HALLE/MZ. Zu den Folgen des HDJ-Verbots für die Neonazi-Szene in Deutschland äußert sich David Begrich, Experte bei der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Vereins "Miteinander" in Magdeburg. Mit ihm sprach Alexander Schierholz.

Herr Begrich, ist das rechte Spektrum durch das Verbot der "Heimattreuen Deutschen Jugend" geschwächt?

Begrich: Zumindest bricht der Szene ein Teil ihrer Struktur weg, nämlich die zentrale Instanz, in der Kinder und Jugendliche sozialisiert worden sind. Neonazis aller möglichen Ausrichtungen, ob aus der NPD oder aus freien Kameradschaften, haben ihren Nachwuchs zur HDJ geschickt. Und eine ganze Reihe heutiger rechter Führungsleute hat die HDJ durchlaufen.

Ein Verbot war also überfällig?

Begrich: Es hat zumindest erstaunlich lange gedauert, bis es jetzt tatsächlich dazu kam, nachdem sich schon im vorigen Jahr alle Bundestagsparteien dafür ausgesprochen hatten. Es geht bei der HDJ ja nicht um harmlose Zeltlager, um Basteln, Tanzen, Singen und Spielen. Da sind künftige neonazistische Kader herangezogen worden, unter Rückgriff auf Weltanschauung, Strukturen und Methoden der Nationalsozialisten. Die HDJ hat sich stark an die Hitler-Jugend angelehnt.

Der Szene fehlt jetzt also ihre Kaderschmiede?

Begrich: Es gibt neben der HDJ noch andere, ähnlich gelagerte Organisationen, etwa den "Sturmvogel" oder den "Freibund", die sich im rechten Umfeld bewegen, aber nicht in dem Maße wie die HDJ auf NS-Propaganda zurückgreifen. Die HDJ war die stärkste dieser Gruppierungen. Ihr Führungspersonal ist durch das Verbot jetzt zumindest auf Monate hinaus handlungsunfähig. Aber die ändern ja nicht plötzlich ihre Meinung, die werden also auf jeden Fall versuchen, ihre Arbeit in irgendeiner Form fortzusetzen. Dagegen hilft auch ein noch so gut vorbereitetes Verbot nicht.

Rechnen Sie damit, dass es eine Nachfolgeorganisation geben wird?

Begrich: Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, ob die HDJ-Leute sich neue Strukturen schaffen oder bestehende mit nutzen werden.

Könnte das Verbot andere rechte Gruppierungen stärken, etwa die Jungen Nationaldemokraten (JN), die Nachwuchsorganisation der NPD?

Begrich: Die Jungen Nationaldemokraten werden durch das Verbot sicher nicht gestärkt. Die HDJ hat in der Szene strukturenübergreifend gearbeitet, während die JN "nur" die Jugendorganisation einer Partei ist. In einer Partei will aber nicht jeder mitmachen. Hinzu kommt: Die JN haben auch gar nicht die Infrastruktur, die HDJ zu ersetzen. Die wären gar nicht in der Lage, Zeltlager oder Jugendfreizeiten zu organisieren.

Wie aktiv war die HDJ in Sachsen-Anhalt?

Begrich: Es gab natürlich Verbindungen in dem Sinne, dass Angehörige der rechten Szene aus dem Land ihre Kinder dorthin zu Veranstaltungen geschickt haben. Aber die HDJ selbst hatte in Sachsen-Anhalt keine Strukturen oder Tätigkeitsschwerpunkte.


    
    
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