Brandserie
Feuerteufel von Wittenberg landet im Krankenhaus
Junger Mann gesteht zehn Straftaten - Mutmaßlicher Täter ist «möglicherweise alkoholkrank»
VON MICHAEL HÜBNER, 27.03.09, 20:33h, aktualisiert 27.03.09, 20:45h

Der Brand in der Dessauer Straße vom Dezember 2008 ist noch nicht aufgeklärt. (FOTO: THOMAS KLITZSCH)
WITTENBERG/MZ. Die Wittenberger können aufatmen: Das ist die eindeutige Botschaft einer eiligst einberufenen Pressekonferenz am Freitagvormittag in der Lutherstadt. Polizeichef Norbert Biermann, dem eine "erhebliche Beunruhigung" der Bevölkerung nicht verborgen blieb, sprach dann auch von einem "sehr frühen Zeitpunkt", in der die Öffentlichkeit über den aktuellen Ermittlungsstand informiert werde.
Die Fakten präsentierte der Dessauer Oberstaatsanwalt Christian Preissner den Medienvertretern: Demnach habe bereits am Donnerstag ein 18-Jähriger seine Verantwortung für zehn Brände im Zeitraum von November bis Januar in Wittenberg gestanden. "Der junge Mann wurde in das Landeskrankenhaus Bernburg eingewiesen. Möglicherweise ist er alkoholkrank", erklärte der Chefermittler weiter.
Im weiteren Verfahren werde auch geprüft, ob der mutmaßliche Täter noch unter das Jugendstrafrecht falle. Doch das sei Zukunftsmusik. Preissner lobte jetzt erst einmal ausdrücklich "die fleißige und akribische Arbeit der Polizei". "Brandermittlungen sind sehr schwierig", betonte der Experte in der 15-minütigen Pressekonferenz. Die Täter würden nur selten ihre DNA hinterlassen. Feuer vernichte eben auch wertvolle Hinweise zur Aufklärung von Straftaten. Wittenbergs Kripo-Chef Wolfram Lindner, der am Freitag völlig unaufgeregt sein erstes Fernsehinterview gab, bestätigte dies und sprach dann auch von "einer dürftigen Spurenlage". Die Ausgangssituation war eben alles andere als optimal.
Manchmal helfe aber auch Kommissar Zufall, sagte Preissner. Ob das auch im aktuellen Fall so geschehen ist, ließ der Oberstaatsanwalt aber völlig offen. Auch über mögliche Motive des Brandstifters wurde nicht geredet. Dafür konnte Gerüchten der Nährboden entzogen werden. Der mutmaßliche Täter sei "definitiv kein Feuerwehrmann", hieß es eindeutig aus der Runde.
Trotzdem gibt es noch viel mehr zu klären: Seit Sommer brannte es in Wittenberg etwa 50 Mal. Die Schadenssumme ist schon jetzt sehr groß. "Wir kommen an die eine Million Euro heran", so Lindner. "Einer allein kann das nicht mehr bezahlen", meinte dazu auch Preissner, der am Freitag "nicht ausschließen" wollte, dass es noch weitere Täter gibt. Es könnte so genannte Trittbrettfahrer durch die "Berichterstattung in der Presse" geben, vermutete Preissner. "Wir sind noch in der Ermittlung", sagte der Oberstaatsanwaltschaft.
"Wir haben den Anspruch, alle Brände aufzuklären. Wir werden auch jetzt in unseren Recherchen nicht nach lassen", erklärte Biermann, für den diese ungewöhnlich lange Serie der Straftaten die erste große Herausforderung als Wittenbergs Polizeichef ist. Davon lässt sich der Leiter des Reviers, der auf der jüngsten Stadtratssitzung aus "ermittlungstaktischen Gründen" nur "einige, wenige Details" den Volksvertretern verraten konnte, offensichtlich keine grauen Haare wachsen. "Die hatte er schon, bevor er zu uns gekommen ist", witzelte ein Beamter.
Die Polizei muss immer noch einen Großteil der Brände aufklären - vermeintlich sogar die größeren Fälle. Der junge Mann, der jetzt zur Rechenschaft gezogen wird, hat offensichtlich aufgepasst, dass er Menschen nicht verletzt. Eine solche Argumentation lässt Preissner aber nicht gelten. Aus mehreren Gründen. Schließlich werde auch noch geprüft, ob der "Feuerteufel" nicht für noch mehr Straftaten verantwortlich sei. "Aber ein Gefährdungspotential geht auch von brennenden Mülltonnen aus", sagte am Freitag der Oberstaatsanwalt, und betonte, dass solche Container immer dicht vor Wohnhäusern stehen würden. Und so werden wohl die Wittenberger erst richtig durchatmen können, wenn die komplette Brandserie lückenlos aufgeklärt ist.





































